Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537704-3537705--2792-3540892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 9 Wenn wir uns fragen, woher es kommt, daß bei der glänzenden Organisation, die wir uns geschaffen haben, bei der Aufopferung, mit der einzelne* im B.J. C. arbeiten, sich noch so unverhältnismäßig viel Unfertiges und Krankes bei uns findet, so müssen wir antworten: Der. Kernpunkt alles Ue b e 1 s liegt in unserem Material. Wohl haben wir im letzten Jahre unsere Keilerfolge ungeahnt vermehrt, wohl sind verhältnismäßig wenig Austrittsgesuche erfolgt, wer aber glauben wollte, -daß wir von den meisten viel zu erwarten hltten, der irrt. Nun verstehe man mich aber nicht falsch. Ich beklage mich nicht darüber, daß der B. J. C. zu wenig Führer besäße; im •Gegenteil: zu viele unserer Bundesbrüder hallen sich für den kommenden Mann, und daher rühren auch die zahlreichen Oppositionen, denen man den treffenden Namen „Stunks"' gegeben hat. Auch will ich nicht sagen, daß wir bei der Aufnahme bedeutend wählerischer sein sollen, obgleich eine um ein geringes größere Vorsicht nichts schaden würde. Es ist gerade •eine unserer besten Seiten, daß wir auf materielle Mittel, sprudelnde Intelligenz und gutes Benehmen bei der Aufnahme nicht so viel Gewicht legen, und im Hinblick airf die allseitige Regeneration, die wir erstreben und deren Voraussetzung eine irgendwo liegende Degeneration sein muß, bedeutet das Nichtbeachten irgend eines Mankos bei der Aufnahme nur eine Konsequenz gegen unser Programm. Sondern* was ich sagen will, ist. daß unsere Jungen fast -ausschließlich aus kleinen jüdischen Familien stammen, daß wir aber aus den Kreisen des offiziellen deutschen Judentums, der oberen (bei den Juden kann man schon schreiben) 500 000 zu wenig Mitglieder beziehen. Die Leute, die zu uns kommen, sind meist Jungen mit einem kleineu Gesichtskreis, deren Allgemeinbildung recht viel zu wünschen übrig läßt, denen noch reichlich zu einem Durchschnitts-Eumpäer fehlt. Neben ihrer jüdischen Ausbildung müssen wir bei ihnen noch zu viel Aufmerksamkeit ihrer allgemein-menscMichen Ausbildung schenken, und da die Generation vorher auch schon mit jenem Manko behaftet war und daher nur schlecht Erzieher sein kann, werden wir ihnen nur selten die weltmännische Sicherheit geben .können, die sie zur allseitigen Erziehung der wachsten Generation befähigt, wodurch dann das oben geschilderte beklagenswerte Ergebnis herauskommt. Diese Jungen werden zwar meist den .größeren jüdischen Fonds mitbringen, und ihrer dürfen wir daher keineswegs entraten. Was uns aber außerdem not tut, das sind die gewandteren, lebenserfahreneree Jungen, die eine größere Menschenkenntnis, einen weiteren BIck, ein Stück mehr Europäertum mitbringen und die deshalb eher geeignet sind, auf Menschen zu wirken und ihnen das zse geben, was ihnen jene anderen nicht beizubringen vermögen. Sie müßten imstande