Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 10 (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (28.4.1913)
- Date
- 1913-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Der Jüdische Student wissen? Daß es nicht der Fall ist, darüber ist man sich in letzter Zeit im B. J. C. ziemlich klar geworden. Es ist wirklich nicht der Fall Man gehe einmal unter die Bundesbrüder, selbst unter die älteren, und man wird Wunderdinge erleben! Schuld daran trägt einerseits natürlich der Fuxenunterricht; wir haben das auch bereits erkannt und zu bessern versucht. Noch nicht auf die richtige Weise. Die Systeme, nach denen jetzt im B. J. C. allgemein unterrichtet wird, bieten gewiß den Vorteil, daß der Unterricht einheitlich wird, daß ein Fux bei einem nun einmal nicht immer zu vermeidenden Wechsel des Studienortes im zweiten Semester nicht Dinge vorgetragen bekommt, die mit denen im ersten entweder identisch sind oder in gar keinem Zusammenhang stehen. Aber man wird den Systemen nicht die Allheilkraft zuschreiben können, Fuxmajoren, denen das nötige überragende Wissen und die pädagogischen Fähigkeiten fehlen, beides zu geben. Es wird daher eine wichtige Aufgabe sein, bald mit den geplanten Fuxmajorkursen zu beginnen und zwar nicht nur., in Berlin, sondern möglichst in jedem Kartell-, verein. Keineswegs darf man aber dem Fuxenunterricht allein die Schuld zuschieben, daß die Ausbildung unserer Bundesbrüder mangelhaft ist. Ein Unterricht für Erwachsene wird immer nur Anregungen zu geben haben; die eigentliche Ausbildung hat jeder an sich selbst zu leisten, nur das Pflichtgefühl hierfür muß wachgerufen werden. Die Ausbildung zu fördern und zu überwachen, das Pflichtgefühl anzuregen und zu stärken, dafür haben wir eine so schöne Institution : das Leibverhältnis. Das Leibverhältnis ist dazu angetan, Großes zu leisten; in zahlreichen, vielleicht den meisten Fällen erfüllt es seine Aufgaben aber nicht. Da die Burschen selbst meist über das nötige Wissen nicht verfügen, können sie es ihren Leibfüxen (und diese dann wieder den ihrigen usw.) nicht übermitteln. Ich glaube die Leibburschen sind zu zählen, die in ihren Leibfüxen das Pflichtgefühl wachrufen, sich die gesamte jüdisch-zionistische Literatur geistig anzueignen, sich die wesentlichsten Bücher in den Schrank zu stellen, regelmäßig Zeitungen zu lesen und sich einen wesentlichen Aufsatz oder eine wesentliche Broschüre sofort zu verschaffen. Solange aber nicht jeder Inaktive und Alte Herr über ein mehr als oberflächliches Wissen verfügt und die Verpflichtung in sich fühlt, sich auf dem Laufenden zu halten, leisten wir unsere Aufgabe, dem deutschen Zionismus ausgebildete Kämpfer zuzuführen, nur halb. Wie traurig unsere Leistungen im Fechten und auf dein Mensurboden sind, wie viele grobe Fehler im Verkehr mit anderen Korporationen gemacht werden, ist zu allgemein bekannt, als daß es sich verlohnte, des Näheren darauf einzugehen.