Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1913-03-31 · Heft 12 (31.3.1913) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 12 (31.3.1913)
Date
1913-03-31
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3537599-3537600-3537612--2766-3540866
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Jüdische Student wirkenden religiösen Idee gelegen habe, dünkt mich kaum zweifelhaft, trotzdem ich mir der landesüblichen Einwände gegen diese Behauptung wohl bewußt bin. Dies Mißverhältnis zwischen umfassender Religion und Volkstum bei sich auszugleichen, mag auch eine der Zukunftsaufgaben Israels sein. Sicher aber würden wir dazu die Tore verrammeln,- wenn wir, die wir unser Volk den Anschluß an die Zeit und die übrigen Völker finden lassen möchten, sinnentliöhlte Formen einer in ihrer dogmatischen Grundlage antiquierten Religion konservierten. Noch einmal: Konservieren ist etwas, riesig Bequemes, und trotz der gewöhnlichen Ansicht Reformieren das Unbequemere, weil Waghalsigere, Verantwortungsvollere; denn das Objekt der Reformierung muß sich im Kampf der Welt über seine Lebenskraft ausweisen. Nach alledem kann mich der Vorwurf des Assimilantseins* das kann doch 'nur bedeuten : des unvölkischen Gehabes und Denkens, nicht treffen; er fiele eher auf die anderen zurück, die der Auseinandersetzung des den Schild der Formen verschmähenden Judentums mit den Völkern, mit denen "wir zusammenwohnen, nur kleinmütig zuzuschauen vermögen. Ich aber halte für den besten Schutz den nackten Selbstbehauptungs- ^rangy der sich auf die Ueberzeugung gründet, daß in uns Juden seelische Werte geborgen sind, die uns immerdar und überall Berechtigung und Kraft zu volksindividuellem Leben geben werden. Meine vorhergehenden Aufstellungen alle,' die ja basiert waren auf den Gedanken von der Macht des uns überall erhaltenden nationalen Willens, werden aber dadurch nicht im geringsten widerlegt, daß ich mich durch das Bekenntnis zum Zionismus zentral auf Palästina einstelle und damit doch scheinbar zaghafter Abschließung das Wort rede. Ein Judentum, das nur Diasporajudentum und nur Willensjudentum wäre, würde sich wohl auch durchsetzen können, aber der ganze Prozeß hätte dann etwas zu Beabsichtigtes, Gewaltsames, um eine neue naive allseitige Volkskultur zeitigen zu können. Diese ist das Herz des jüdischen Volkes, und das kann nicht.durch Willensanstöße zum Pulsieren gebracht werden, seine Funktionen müssen in natürlicher Unwillkürlichkeit vor sich gehen. Das Herz des jüdischen Volkes kann deshalb nur im eigenen Lande schlagen, das durch all seine natürlichen und historischen. Bedingungen eine ganz ruhige Entwicklung gewährleistet. Das bedeutet aber keineswegs eine Abkehr von dem europäischen Ideenkreise, in den die Piasporajuden eingebettet sind und mehr und mehr hineingezogen werden; in dem sie aber schwimmen und nicht untergehen werden. Das ist letzten Grundes ein mutiges Bekennen zu ihm. In dem Maße, in dem das Herz des jüdischen Volkes an Kraft gewinnt, wird sich auch das bewußt angelegte System der Kanäle verfeinern, auf denen unser eigentlichstes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.