Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1913)
- Date
- 1913-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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433 die nach bekannter Manier eben ihr „äußerlich, höchst oberflächlich'* murmelten, will ich dies näher ausführen und zunächst nur an ein Beispiel erinnern: die Ruderabteilung. Vielleicht nirgends Im B. J..C wird so wenig diskutiert und kaum in einem Verein herrscht eine so gute jüdische Stimmung wie in der Ruderabteiluug auf den Touren. Ist die Grundstimmung gut, dann muß eben-die Stimmung ganz von selbst auch gut jüdisch sein; das ist die Erfahrung, die man in allen Vereinen machen kann. Andererseits will ich Euch zf B. ein Bild vorführen, aus dem man untrüglich auf den im Verein herrschenden , schlechten Geist schließen kann, eine beträchtliche Anzahl von Bundesbrüdern darf sich getroffen fühlen: Es ist Sonntag nachmittag ungefähr halb drei Uhr; schönes Wetter. Langsam sammeln sich die V.J. St.-er im Cafe; man sieht ihnen an, daß sie in dieser Nacht viel durchgemacht haben und nicht lange zu Hause gewesen sind. Nachdem man in einslündiger Sitzung das unbedingt nötige Quantum Zigaretten geschluckt hat, wird nach längerer Beratung beschlossen aufzustehen. Die Inaktiven werden aufgefordert, die letzten drei Runden Skat anzusagen;, nachdem auch die Billardspieler 50 Points erreicht haben, erhebt man sich, um sich vor dem Eingang zu versammeln, wobei man die günstige Gelegenheit nicht versäumt, das Cafe zu versperren. Nach längerem Hin- und Herreden macht ein „Korporativer" darauf aufmerksam, daß derartige „Stehkonvente"" unzulässig seien. Dagegen läßt sich nichts einwenden, und man trottet langsam und unentschlossen die Straßen herunter. Nach fünfzehnMinuten erklären einige, sie seien müde, und diesesSpazierengehen zu so spater Nachmittagsstunde sei überhaupt lächerlich und zwecklos und — hier v/erden sie entschlossener und bestimmter — das einzig \Xrahre sei, wenn man zum „Schwof" ginge. Und nun, jüdisches Volk, magst ruhig, sein; es wird physisch regeneriert! Einem Verein, in dem diese Art einreißt, werden keine jungjüdischen Abende auf die Beine helfen. Die können nur in Vereinen nützen, in denen schon ein frischer Zug weht, und dieser Zhg wird einzig und allein durch die Mittel hineingebracht, die ich hier angedeutet habe. Und hier dürfen und müssen wir uns, wenn es not tut, auch einmal „assimilieren" — nehmt einmal das Wort im guten Sinne — das heißt wir müssen annehmen, was wir bei anderen für gut befunden haben und was uns auch für uns nützlich erscheint. Ich habe im V.J. St. die Erfahrung gemacht, daß. man einen Verein fast allein danach beurteilen kann, ob und wie diese Mittel angewendet werden Auf dem leizten Kartelltag waren die einzigen Veranstaltungen, ,auf denen wir uns einigermaßen wohl und heimisch gefühlt haben, die Ausflüge. Hier kam ganz von selbst die Stimmung, auf, die im V.J. St. herrschen soll, und wenn dann spontan von