Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
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Der Jüdische Student 407 meiner Anwesenheit in Königsberg am 4. Februar ds. Js. aberes 2 Herren einfanden, um über den Verlauf des Fackelzuges der StuJtr/.sn nähere Angaben zu erbitten. Hierbei ordnete ich an, daß nach dem vom I. Chargierten ausgebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kais-t-. um den zweiten Empfang zu vermeiden, dieser erste Chargierte sich der Deputation, die von Allerhöchstdemselben in das Schloß befohlen war. anschließen könnte. Weder haben die obenerwähnten beiden Herren mich davon unterrichtet, daß der Verein jüdischer Studente-ndurchdie Studentenschaftzur Aus: rin-gung des Hochs auf Seine Majestät ausgelost, worden war, noch istmir sonst üb'erdiesen Vorgang etwas bekannt gewesen. Freiherr von Lecker. An das Präsidium des Bundes . Jüdischer Corporationen z. Händen des Herrn Dr. Erich Rosenkranz . * ~ Hier. Eine dem Berliner Tageblatt — das über den Vorfall mehr;j:h ausführlich berichtet hat — als Rechtfertigung eingesandte Dar.s'teu-: der Universitätsbehörde entspricht nicht den Tatsachen. Denn wie wir von vornherein vermuteten, hat der Herr Hrm=m2rschall keineswegs angeordnet, daß das Kaiserhoch vo r. einem der ursprünglich zur Deputation gehörigen Siucenten ausgebracht werde, vielmehr lediglich bestimmt, daß derjenige Student, der das Kaiserhoch auszubringen habe, ebenfalls v o m Kaiser empfangen werden solle und anheimgegeben, diesen, um einen doppelten Empfang zu vermeiden, zusammen mit den -. Kaiserdeputierten dem Kaiser vorzustellen. Es kann daher wohl kaum aufrecht erhalten werden — was das Sekretariat dem Berliner Tageblat: mii^eieilt hat — daß „unter diesen Umständen das vom Verein Jüdischer Srudem:^ erloste Ehrenamt hinfällig" wurde. Vielmehr dürfte feststehen, daß ohne jede sachlich e Berech tigung die Au sku ntt des H a us ui 2 : s challs benutzt wurde, um das Kaiserhoch dem zuerst dazu ausgeloste": Vertreter zu 'nehmen. Dar Zufall, daß dies der Vertreter einer jüdischen Corporation war, war somit wohl nicht ohne Einfluß auf die Erledigung der Angelegenheit Sonst hätte es wohl nach dem Bescheide des Hausrnarschalls näher ge'rgen, den Vertreter des V. J. St. mit den fünf Kaiserdeputierten Seiner Mi_"e?-_it dem Kaiser vorzustellen. Bei der Ausschaltung des V. J. St. Königsberg waren also 2uger.schein-_ lieh antisemitische Motive maßgebend. Unter dieser. Umständen 'war es der Bund Jüdischer Corporationen sich selbstverständlich schuldig, sich nicht mit den unbefriedigenden Äußerungen. der Königsberge: Universität sich zu begnügen, sondern diese Angelegenheit — die übrigens ohne sein Zutun in die Öffentlichkeit gelangt und in der Presse diskiiben worden ist — mit Energie weiter zu verfolgen. \