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Der jüdische Student · 1913-02-28 · Heft 11 (28.2.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 11 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Der Judische Student 401 Juden, die jenseits der Grenzen der preußischen Monarchie und der deutschen Sprach- und Kuiturgrenze wohnen, nach und nach einen Stoß erlitt und fast vernichtet wurde? In eben jenen Jahren nach der Emanzipation wurde der Grund gelegt zu der verhängnisvollen Auffassung der deutschen Juden, daß alle Juden in den Ländern östlich von Deutschland kulturell minderwertig seien-; in eben jenen Jahren wurde die tiefe Kluft zwischen Westjudentum und Ostjüdentum geschaffen, die-heute manchem wirklich fast unüberbrückbar scheint und so tief geht, daß ein großer Teil der deutschen Juden sich ihrer Brüder im Osten schämt und ein jüdischer Hochschulprofessor in Deutschland €s wagen konnte, zu sagen, ihm stehe jeder deutsche Bauer näher, als irgend einer der russischen oder galizischen *Juden. Der Antisemitismus unserer Tage mußte erst kommen, um die -deutschen Juden zu lehren, daß die Trennung in westliche und östliche Juden nur eine sehr äußerliche ist, daß ein einheitliches Band, das Band des Blutes, und der Geschichte, die Juden aller Länder umschließt. Das sind die schlimmen Folgen, die die bürgerliche Befreiung des preußischen Judentums unmittelbar nach sich gezogen hat. Wir wollen uns nun noch mit ein paar Worten damit beschäftigen, welchen verhängnisvollen Schaden die Emanzipation der preußischen Juden auch mittelbar angerichtet hat. Durch das Edikt vom 11. März 1812 war den Juden erlaubt worden, überall im Staate, in den Städten und auf dem platten Lande ihren Wohnsitz zu wählen. Die Freizügigkeit, -eines der Fundamente moderner Staatsauffassung, war ihnen eingeräumt worden. Was geschah nun? Etwas, was in seiner schwerwiegenden Bedeutung zumeist übersehen oder . unterschätzt wird und doch bestimmend und Richtung gebend auf die Entwicklung des deutschen Judentums eingewirkt hat. Die Juden sammelten sich in den großen Städten. Wie es die Mücken nach dem Lichte hinzieht, so zog es die Juden, als ihnen das Recht der freien Wahl des Aufenthalts zugestanden •war, nach den Zentren des Staates hin. Unaufhaltsam strömten sie aus ihren bisherigen Wohnsitzen in den mittleren und kleineren Städten des Ostens und Westens in den großen Städten, besonders in Berlin, zusammen. So konnte es dahin kommen, daß die Reichshauptstadt,, die noch am Anfang des vorigen Jahrhunderts eine kleine Judengemeinde hatte und noch im Jahre 1S70 nicht mehr als etwa 30 000 Juden zählte, heute bereits den vierten Teil der deutschen Juden überhaupt, 150 000, in sich schließt, während andererseits die Provinzstädte von Juden entvölkert wurden. Es könnte nun jemand fragen, was denn.daran Schlimmes sei. Die Antwort ist nicht schwer zu geben. Der Aufenthalt in Berlin und .in den anderen großen Städten wirkt leider vernichtend und zersetzend auf die jüdische

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