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Der jüdische Student · 1913-02-28 · Heft 11 (28.2.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 11 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Der Judische Student 399 jüdischen Kreise in diesem Bestreben, sich religiös zu assimilieren, gingen. In dem vorhin zitierten Sendschreiben an den Propst Teller spricht Friedländer es offen aus, daß nach seiner Anschauung das Judentum sich religiös nur noch wenig vom Christentum unterscheide. Wolle man den Juden erlassen, an den Erlöser zu glauben, so sei kein Grund einzusehen, warum die Juden nicht das Christentum annehmen sollten. Solche Anschauungen fanden nach der Emanzipation rasch Eingang in weite jüdische Kreise, die den ersehnten Verschmelzungsprozeß des Judentums rrut der Umwelt nicht schnell genug vollziehen konnten und in überströmendem Dankempfinden für die Segnungen ihrer Freiheit und den erlangten Zutritt zur allgemeinen Bildung sich das Entreebiilet zur europäischen Kultur — um mit Heinrich Heine zu reden — lösten. Der preußische Staat, der, wie erwähnt, in der schweren Zeit seiner Neubildung das lebhafteste Interesse daran hatte, die geistigen und materiellen Kräfte des Judentums für seine Zwecke zu verwenden, tat sein Möglichstes, diese Entwicklung zu fördern. Dadurch daß er die im Emanzipationsedikt allen Juden verheißenen Aemter den ungetauften verschloß, den getauften aber bereitwillig öffnete, hat er sich zum Mitschuldigen an der Entwicklung seiner jüdischen Untertanen zu Tieulosigkeit und Verrat gemacht. — In Scharen traten damals die Juden zu dem Glauben über, dessen Bekenntnis äußere Macht und Ehre gewährte. ■ Der Masse der preußischen Juden ging freilich diese Entwicklung doch etwas zu schnell.- Ihnen genügte es, wenn die Formen ihrer Religion, ihr Kultus reformiert wurde. Nun ist es um die religiöse Reform so eine eigene Sache. Sie kann gewiß wünschenswert und notwendig sein; dann nämlich, wenn sie dem innersten Bedürfnis der Gläubigen entspringt Und sich in Bahnen bewegt, die dem Wesen der Religion, die man reformieren will, angepaßt sind. Wenn aber eine religiöse Reform nur aus Zweckmäßigkeitsgründen eingeleitet wird und nur das,eine Ziel hat, das Wesen anderer Religionen und deren Formen nachzuahmen, wenn sie in ihren Grundtendenzen darauf; hinausläuft, das eigenste Wesen der Religion zu zerstören, dann i-st sie unsinnig und charakterlos. Von der Art aber waren die Reformen, die man nach der Emanzipation der Juden durch Wort und Tat anstrebte, das eben waren die leitenden Gesichtspunkte, nach denen-man reformierte. ■ Orgel, deutsche Gebete, Verkürzung des Gottesdienstes, Purifikation des Gebetes wurden durchgeführt, nicht weil die religiöse Sehnsucht der Gläubigen danach verlangte, sondern weil man auch im Gottesdienst . bekunden wollte, daß man sich ganz der Umwelt anzugleichen imstande und bemüht sei; weil man sich in bewußten Gegensatz zum überlieferten Judentum setzen wollte. So löste man nach und nach -alle Bande, die das Judentum mit der Ver-

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