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Der jüdische Student · 1913-02-28 · Heft 11 (28.2.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 11 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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Der Jüdische Student 397 Ch. W. Dohm, der in seiner Schrift „lieberdie bürgerliche Verbesserung der Juden" in ausführlichster Weise die sittlichen; und politischen Motive für die Notwendigkeit einer völligen Oleichstellung der Juden klarlegte. Seine von echtem Gerechtigkeits- und Freiheitssinn durchglühten Worte verhallten aber bald und wären wohl dauernd ohne Erfolg geblieben, wenn nicht die französische Revolution neuen pr'itischen Ideen die Bahn geöffnet und nicht der korsische Eroberer seine schwere Faust auch auf Preußen gelegt hätte. Die französische Revolution mit ihren Oedanken von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" brauste an der Wende der Jahrhunderte wie ein reinigendes Unwetter über Europa hin und machte auch in Preußen die Herzen und die Sinne reif für die Anschauung von den Menschenrechten. Zur selben Zeit aber, als solche Oedanken auch in Preußen Boden gewannen, als Regierungen und Staatsmänner -erkannten, daß jedem, der Menschenantlitz trägt, der Anspruch auf Freiheit und Würde angeboren sei, brach Preußen unter dem dröhnenden Tritt der Armeen Napoleons zusammen. Das brachte die Entscheidung auch für die Lage der Juden. Als bald nach dem Unglückskriege von 1S06—07 Preußens Staatsmänner daran gingen, ihren Staat zu reorganisieren, ließen sie sich bei allen ihren Maßnahmen, ebenso sehr von den allgemeinen Oedanken, die durch die französische Revolution entbunden worden waren, wie von den patriotischen Erkenntnissen, die das Unglück Preußens erweckt hatte, leiten. Sie waren einerseits aufs tiefste davon überzeugt, daß der Wiederaufbau Preußens nur dann gelingen könne,wenn jedes, auch das unscheinbarste Glied desStaatsganzen zur Mitwirkung am Gemeinwohl herangezogen werde, und sie hatten andererseits aus den Erfahrungen der Revolution gelernt, daß die Bürger des Staates nur dann mit Liebe und Hingebung für das Vaterland arbeiten, wenn sie es in Freiheit und Achtung ihres Menschentums tun dürfen. Aus solcher politischen Auffassung heraus befreiten Stein und Hardenberg durch Aufhebung der Leibeigenschaft 1808 den Bauernstand, gaben sie 1S10 den Städten die Selbstverwaltung, und stellten sie durch das Emanzipationsedikt vom 11. März 1S12 die Juden mit den übrigen Bürgern auf eine Stufe. Hardenberg mußte die Juden Preußens politisch frei machen, wenn er sich nicht eines bedeutsamen Bestandteiles des Volksganzen für die Mitarbeit an seinem Werke selbst berauben wollte. Die Juden Preußens oder wenigstens eine sehr starke Oberschicht unter ihnen waren trotz aller staatlichen Hindernisse am Ende des XV111. Jahrhunderts eine materielle und geistige Macht geworden. Die Juden waren neben den Großgrundbesitzern die Inhaber der großen Vermögen, aus inren Reihen sind damals die ersten Millionäre Preußens hervorgegangen. Sie auch waren zu einem ungewöhnlich großen Teil die Führenden auf dem Gebiete der geistigen

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