Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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395 Der Jüdische Student wie sich das preußische und im Zusammenhang damit das deutsche Judentum unter dem Einfluß seiner staatsbürgerlichen Freiheit entwickelt hat.; Wir müssen der Erörterung dieser Frage einige Bemerkungen vorausschicken^ Bemerkungen über die andere Frage, welche Umstände denn eigentlich die Umwälzung in der rechtlichen Stellung der Juden in Preußen am Beginn des XIX. Jahrhunderts bewirkt haben, aus welchen Ursachen, unter dem Einflüsse welcher Ideen, Machtfaktoren und Personen der preußische Staat die Umgestaltung der staatsrechtlichen Stellung der Juden vollzogen hat. Wir müssen diese Vorbemerkungen machen, weil wir uns sonst wahrscheinlich vergeblich um das psychologische Verständnis für das Verhalten und Gebaren der Juden ia Preußen nach der Emanzipation und ihre Folgen bemühen würden. Wenn sonst in der Geschichte eine Gemeinschaft, die unterdrückt gewesen, ihre Unabhängigkeit erlangt, braucht man nicht erst lange zu fragen, wem sie das Glück ihrer Freiheit verdankt. Diese ist bei den meisten Völkern der Lohn für leidenschaftliches Ringen und Kämpfen, für tatkräftiges Wollen und entschlossenes Handeln gewesen. Nichts von alledem paßt auf die Emanzipation der preußischen Juden. Ihnen ist die Befreiung, man braucht das Wort nicht zu scheuen, wie eine reife Frucht in den Schoß gefallen, zuteil geworden als ein Geschenk, um das sich der Empfänger kaum bemüht hatte. In dumpfer Trägheit hatte das Judentum Preußens seine schwächliche Lage ertragen und, soweit man die Geschichte überblickt, hat nur ein einziger Jude sich ernsthaft und unablässig um die Befreiung seiner Gemeinschaft bemüht, der spätere Aelteste der Berliner Judenschaft, David Friedländer. Aber gerade seine Anstrengungen trugen den Keim der Unwirksamkeit in sich. Denn wie sollten cie Bemühungen eines Mannes "für das Judentum Erfolge zeitigen, der innerlich mit dem Judentum längst gebrochen hatte? War David Friedländer es doch gewesen, der,, vom Beginn seiner Tätigkeit für seine Gemeinschaft an, alles Festhalten an der jüdischen Tradition als schädlich, als ein Hindernis für die bürgerliche Gleichstellung in den Bann getan und sich nicht entblödet hatte, in dem „Sendschreiben jüdischer Hausväter an den Propst Teller" .1799 für die Aufnahme der Juden in die Gemeinschaft der Staatsbürger ihre Bereitschaft zur Taufe zuzugestehen. David Friedländer fehlte bei solcher Stellung zum Judentum wohl die Aktivlegitimation für die*Arbeit im Dienste des Judentums. Außer ihm aber hat kaum ein einziger unter den preußischen Juden auch nur den Finger gerührt,, der traurigen Lage des Judentums in Preußen ein Ende zu machen. Man überließ das vielmehr großmütig dem Gerechtigkeitssinn und Edelmut nichtjüdischer Männer. Unter diesen steht in der vordersten Reihe der Preußische Kriegsrat