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Der jüdische Student · 1913-02-28 · Heft 11 (28.2.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 11 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Der Jüdische Student 3Q5 Man kann sich den Unterschied zwischen der Lage, in der sich die Juden in Preußen bis 1812 befunden hatten, und der durch das Judenedikt neu geschaffenen Situation gar nicht kraß genug denken. Um ihn ganz deutlich erscheinen zu lassen, müßte man einmal den einzelnen Bestimmungen der preußischen Judengesetzgebung vor 1 Sl2 die entsprechenden des Emanzipationsediktes gegenüberstellen. Erst dann, würde ganz klar werden, welch hohes Gut die preußischen Juden mit ihrer bürgerlichen Freiheit erlangt haben. Will man es auf eine einzige Formel bringen, dann müßte man etwa sagen: gleiches Recht für alle, dieser oberste Grundsatz moderner Staatsauffässung war am 11. März 1812 in Preußen auch auf die Juden ausgedehnt worden. Von diesem Tage an umschlang ein einheitliches Band der Rechte und Pflichten Juden und Niehtjuden. Lesen wir Kinder des modernen Verfassungsstaates die ein- . zelnen Bestimmungen des preußischen Judenediktes, dann erscheinen sie uns zumeist wohl wie Selbstverständlichkeiten; wir haben uns an den Genuß der staatsbürgerlichen Rechte und «die Erfüllung der entsprechenden Pflichten so gewöhnt, daß wir •uns kaum vorstellen können, es könne jemals anders gewesen sein. Für die Juden der damaligen Zeit aber war die neugeschaffene Situation so völlig neuartig und ungewohnt, daß wir ihren Jubel und ihre Begeisterung wohl begreifen können. Ein Aufatmen von Jahrhunderte langem Druck, von schwerer Knechtung und Knebelung ihrer heiligsten Regungen muß damals durch die Reihen der preußischen Juden gegangen sein. Aus solcher Stimmung heraus begreifen wir vielleicht auch den «wenig geschmackvollen, fast würdelosen Dankbrief, den die Aeltesten der Berliner Judenschaft als Sprecher der gesamten preußischen Judenheit am IS. März 1812 an den König richteten und in dem es am Schlüsse heißt: „Wir wagen es, diese Gesinnungen (der Treue, Ehrfurcht und Liebe) im Namen unserer Mitbrüder zu verbürgen, da wir gerührt erkennen müssen, daß .selbst der leiseste Anspruch auf staatsbürgerliche Würde die Frucht der Milde und der Weisheit von Ew. Kgl. Majestät und Allefhöchstdero glorreichen Vorfahren Regierung ist." Wie ge- .sagt, aus der Jubelstimmung des Augenblicks der Befreiung läßt sich solch würdeloser Knechtssinn, der wahrlich 'nichts gemein hat .mit Männerstolz vor Königsthronen und sich nicht scheut, den Anspruch auf staatsbürgerliche Würde einfach zu negieren, . wohl begreifen. Was wir aber nicht begreifen können und nicht begreifen dürfen, ist, daß. dieser knechtisch-unterwürfige Geist die preußischen Juden auch weiterhin leitete, als es nun galt,, zu der neuen Situation Stellung zu nehmen und in ihr sich zu- .recht zu finden. Und damit sind wir nun beim zweiten Teil unserer Ausführungen angelangt, bei der Erörterung der Frage, •welche Folgen die Emanzipation der Juden für diese gehabt,

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