Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Der Jüdische Student andere Südslaven — sind in Halle noch auf der landwirtschaftlichen Abteilung der philosophischen Fakultät; obwohl es sich dort auch um Demonstrationskollegs handelt, ist es hier noch zu keinen Konflikten., gekommen — der beste Beweis, daß die ganze Frage zum Teil wenigstens durch psychologische Imponderabilien bei den Medizinern verschärft worden ist." In dem Artikel ist dann noch von den sog. „Russen", „die die heimischen Universitäten nur in sehr beschränkter Zahl aufnehmen," die Rede, und es bedarf wohl keiner Erklärung, welcher Art das-psychölogische Moment und die psychologischen Imponderabilien sind, durch die die ganze Frage verschärft worden ist. Es kann ja gar keinem Zweifel unterliegen, daß die deutsche Studentenschaft diesen Kampf um den besten Platz im Hörsaal nicht mit solcher Begeisterung u-nd nicht mit solcher Einmütigkeit aufgenommen hätte, wenn es nicht gerade gegen die Juden ginge; es kann nicht zweifelhaft sein, claß kein Student auf den Oedanken gekommen wäre, nachzurechnen,^wieviel Zuschuß der preußische Staat für jeden ausländischen Studenten zahlen müsse, wenn dieser ausländische Student etwa ein Deutschrusse aus den Ostseeprovinzen oder ein Deutscher aus Böhmen — zweifellos doch auch Ausländer im staatsrechtlichen Sinne — gewesen wäre. Es ist bemerkenswert, daß zur Zeit des heftigsten Kampfes gegen die „Ausländer" in der Deutschen Tageszeitung ein Artikel erschienen ist, der die Förderung des Studentenaustausches zwischen dem Deutschen Reich und Prag propagiert! Und in einer Broschüre „Russen auf Deutschlands Hochschulen", deren Verfasser sichtlich bemüht ist, allen Teilen gerecht zu werden, wird nicht nur das Bedauern darüber ausgesprochen, daß die Balten von den Maßregeln mitbetroffen werden, sondern auch „den eigentlichen Russen" wird, die Sympathie kundgegeben, dem „Herrenvolke jenes Landes, gegen das sich die Bewegungen richten, das sie mitverletzen, ohne es zu meinen und ohne es zu kennen." Der deutsche Student betrachtet also die ganze Frage keineswegs vom rein staatsrechtlichen Standpunkte aus. Die Ausländerbewegung richtet sich somit zweifellos gegen Juden, die wegen ihres Judentums Rußland verlassenmußten, und die man gerade wegen ihres Judentums hier zurückzudrängen versucht. Hieraus ergibt sich die Stellungnahme zu der Ausländerbewegung für jeden selbst-