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Der jüdische Student · 1913-02-28 · Heft 11 (28.2.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 11 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Der Jüdische Student Moskau werden nur drei Prozent Juden zugelassen, an den Universitäten des Ansiedlungsrayons Kiew, Odessa, Warschau dagegen 10 Prozent. Der Prozentsatz von 10 Prozent, der zunächst äußerst liberal erscheint, verliert an Bedeutung, wenn man erwägt, daß an diesen Universitäten nur verhältnismäßig wenige Russen studieren; so sind an der Universität Odessa im letzten Semester nur 60 Studenten immatrikuliert worden, so daß trotz der hohen Prozentnorm nur sechs Juden dort zugelassen werden konnten. Wenn man die Prozentnorm richtig würdigen will, o O ' muß man berücksichtigen, daß die Erlangung eines akademischen Grades für einen russischen" Juden eine ganz besondere Bedeutung hat: während nämlich die russischen Juden im allgemeinen nur in einem kleinen Teile des Landes, dem sog. Ansiedlüngsrayon wohnen dürfen, und auch da nur in den Städten, nicht in den Dörfern, kann der Jude, der einen akademischen Grad erlangt hat, sich überall niederlassen. Es 1 daher für die russischen Juden, die in Rußland vom Studium ai. blossen sind, eine Lebensnotwendigkeit, im Auslande ihrem I;um nachzugehen. Daher ist diese Ausländerbewegung sicherlich .n ihrer Wirkung antisemitisch. Es kann aber auch nicht zweifelhaft sein, daß sie nicht diesen Umfang und diese Stärke angenommen hätte, wenn nicht eben die große Mehrheit der Ausländer. gerade J u d e n wären. Allerdings wirddies von den Führern der Bewegung in kluger politischer Einsicht in Abrede gestellt und auch von solchen Juden geleugnet, die den Antisemitismus nur dann — und häufig auch zu Unrecht immer dann — spüren, wenn das Wort Jude fällt, denen aber das Feingefühl — oder der moralische Mut? — fehlt, den Antisemitismus auch in seinen verhüllteren und feineren Formen zu erkennen. Für diese Juden sei hier ein Artikel zitiert, der aus der Petersburger Zeitung in die Tägliche Rundschau, das Organ der deutschen Akademiker, übergegangen ist; in diesem heißt es: „Man muß das psychologische Moment, diese lange dauernden Reibungen und Reizungen im Auge haben, um die Schärfe des Protestes der Hallenser Kliniker, wenn auch nicht zu billigen, so doch zu verstehen. Es ist dabei — obgleich dies, wie es sich in einem Kulturstaate geziemt, verschleiert wird, — ein gut Stück Rassenantagonismus das .treibende Agens. Viele Ausländer — Polen,, Serben und

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