Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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3S6 Der Jüdische Student gegen den Untergang wehrte, so geschah es um dieser Zukunft willen. Aus der Gebundenheit dieser Entwicklungsmöglichkeit ergibt sich als nationalistisches Leitmotiv alles Ooluslebens der Oedanke der Erneuerung des jüdischen Volkstums durch die Erlösung vom Golus. Es ist eine grandiose Tatsache unserer Geschichte und der Völkergeschichte überhaupt, daß dieser ideelle Ausdruck unseres nationalen Optimismus, der die Lösung des Geschichtsrätsels unserer Volksexistenz birgt, unter den widrigsten Verhältnissen die Zeiten überdauert hat. Doch muß man sich gegenwärtig halten, daß er fast bis in die Gegenwart hinein eine volle Auswirkung nicht erfahren konnte. Tritt der Regenerationsgedanke in seiner ganzen Fülle in die geschichtliche Erscheinung, so muß er sich als zuversichtlicher Glaube offenbaren und zugleich als Wille zur Erneuerungstat. In solch breiten Ufern ist der Strom des Golusnationalismus nicht geflossen. Der Wille zur lebendig wirkenden Tat war gewaltsam eingedämmt und zur Passivität verdammt. Nur ein unendliches Volkssehnen, das sich in tausend Geschichten spiegelt und das unsere Vorfahren trieb, im Tode wenigstens mit der Erde des Landes Israel vereint zu sein, gibt Kunde davon, daß jener Volks wille nicht erstorben war. Aber der Glaube an die Erneuerung unseres Volkes ist um so stärker geworden. Er hat sich fest in der jüdischen Volksreligion verankert und ihre Satzungen und Bräuche mit jenem Odem getränkt, der die Stimme der Resignation niemals aufkommen ließ. Durch die Verbindung mit der Religion wurde er hart und widerstandsfähig. So sind wir unter dem Einflüsse der lediglich passiven Ausstrahlung des nationalen Gedankens der Erneuerung das Volk des Duldens und Ausharrens geworden. Daß diese Halbheit des nationalen Lebens, die ihrem Wesen nach zu einer Entscheidung drängte, dauern konnte* liegt sicherlich darin begründet, daß die Völker durch ihre den Juden gegenüber geübte Ghettopolitik eine unfreiwillige Schutzwehr aufgerichtet hatten. Als diese Schutzwehr in den Tagen unserer Väter und Großväter fiel, da war damit der-Tag der großen nationalen Prüfung angebrochen. Und es zeigte sich ein Doppeltes. Es ergab sich, daß der nationalistische Glaube an die Erneuerung unseres Votkstums in der Religion zu schwach gestützt war.. Die gefährlichste