Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 331 Judentum. Sie erst vermag uns das wiederzugeben, was uns die Emanzipation nahm : das Bewußtsein des eigenen Wertes. Wir arbeiten für unser Judentum. In unserer freiwillig übernommenen, von keinem äußeren Sold belohnten Arbeit steckt unser Selbst. Das Judentum wird ein Teil unseres Bewußtseins, wir achten das Judentum, wie wir uns selber achten. Bei dieser Arbeit für unser Volk erinnern wir uns der alten Deutschen Burschenschaft. In der Zeit ärgsten nationalen Tiefstandes begründet, von Anbeginn an in bewußter Wechselwirkung zwei Zielen nachstrebend : der Erziehung des einzelnen durch das nationale Bewußtsein und der Erhebung der Nation durch mannhafte Persönlichkeiten — so darf sie die Einigung und Größe Deutschlands zum guten Teil als ihr Werk erachten, das sie mit ihrem Wahlspruch: Ehre, Freiheit, Vaterland geschaffen. - . Ehre, Freiheit, Vaterland, Wie die Deutschen einst ihr Deutschtum, so sehen wir ~ heute*" das Judentum aufs höchste gefährdet. Und wie einst die alte Deutsche Burschenschaft, so "wollen auch wir B.J. C.-er eintreten für unser Volk, durch treue Arbeit für seine künftige Größe seine alte Ehre wiedererstehen lassen. Wie die alte Deutsche Burschenschaft ein Erziehungsideal aufstellen, frei von den feudalistischen Uebertreibungen des Couleurwesens, frei vom saftlosen Aesthetentum egoistischer Individualisten. Wir wollen rechte Juden und damit gerade und freie Menschen heranbilden. Ein großer deutscher' Dichter und Philosophhat.einmal gesagt: Den wahren Menschen unterscheide von den anderen, daß er den amor fati besäße, die Liebe zu seinem Geschicke, den Willen^ so zu sein, wie er einmal ist; den Mut, auch die Tragik seines Lebens zu bejahen. Nichts unterscheidet uns, die junge jüdische Generation, besser von 'anderen Juden,, als daß wir wieder den Mut haben, ganz das zu sein, was; wir nun einmal sind: Juden. Seit einem Jahrhundert entfernt sich der Jude immer mehr von seinem Judentum, und so ist er in jene tragische Doppelstellung zwischen eigener jüdischer Anlage und der Geisteswelt der anderen geraten — ein Zwiespalt, der von ihm, nur weil es ihm an Mut dazu fehlt, geleugnet, von allen anderen aber, und nicht -nur von rohen Antisemiten, sondern von den feinsten Köpfen des Deutschtums empfunden wird