Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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3S0 Der Jüdische Student teidigt Euch!u so schallt heute allerorten die Parole. Nichts könnte die traurige Lage des deutschen Judentums besser charakterisieren, als dieser halbverzweifelte Ruf : Verteidigt Euch,! Der kulturlose Mensch auf primitivster Stufe verteidigt; sich, sobald er angegriffen wird. Das Tier, halbwegs auch nur bewehrt, verteidigt sich. Abwehr ist der primitivste Reflex, ist Selbstverständlichkeit. Aber Abwehr allein ist auch Gefahr. Sie wird zum Verhängnis, sie führt zur Verlogenheit und Unehrlichkeit, wenn der Gegenstand der Verteidigung uns wertlos bleibt Ein Kampf, dessen endlicher Sieg immer nur von dem — mit Gewalt inaller Zukunft nicht zu erzwingenden — guten Willen des Gegners abhängig ist, kann auf die Dauer nicht moralisch erhebend wirken. Nur das vermag uns wahrhaft zu erheben, was eigene Kraft erreicht. Und ist" die Abwehr nichts, als eine selbstverständliche Reaktion, so dürfen wir von uns jüdischen Akademikern, die wir uns wieder würdig erweisen wollen, Führer unseres Volkes zu sein, so müssen wir von uns etwas Besseres verlangen : das nämlich, was uns allein zum rechten Mannestume führen kann: die Tat. Die Tat für unser Judentum. Lang genug haben wir auf andere gebaut, lang genug von anderen unsere bessere Zukunft erwartet. Wagen wir es endlich, selber unser Geschick in unsere Hand zu nehmen und uns selber unsere Zukunft zu bauen! Wir wollen dem Judentum eine Zukunft aus eigener Kraft schaffen, sein Schicksal befreien aus der Abhängigkeit . von der jeweiligen Laune des herrschenden Volkes, irgend einer politischen Zeitströmung. Befreien wollen wir uns von dem ewigen Hinschielen nach dem Urteil anderen Wir haben aus der Geschichte gelernt, daß auch das kleinste Volk, sobald es nur den festen Willen zur Entfaltung seiner Kräfte hat, sich Freiheit und Achtung erkämpft. Und lesen wir in der neueren . Geschichte des Judentums oder in den Werken der jüdischen Großen, so sehen wir als die Grundlage jedes künftigen Judentums vorausgesetzt das unverrückbare Festhalten an seinem nationalen Charakter. * Und noch eins haben wir an uns selber erkannt. Das ist der hohe sittliche Erziehungswert unseres Willens zur Tat fürs