Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 379 bot, hier im kleinen: kaum hat die Freie Studentenschaft ihre Anerkennung durchgesetzt, und alsbald zeigt uns jede Versammlung, jede Wahl das altbekannte Bild: Hinaus mit dem .Juden. Schon deuten gewisse Anzeichen darauf hin, daß . die Freie Studentenschaft in nicht zu ferner Zeit sich zum Tummelplatz antisemitischer Bestrebungen gestalten wird, und erst kürzlich berichteten die Zeitungen von einer Versammlung der Berliner Freistudenten, in denen es zu groben Angriffen der „deutsch-völkischen" Freistudenten gegen die Juden kam. — Wir sind das Volk der Geschichte, aber wir sind auch das . unhistorischste Volk, ein Volk, das nun einmal aus der Vergangenheit nicht lernen will. Auch nicht einmal aus der jüngsten Vergangenheit. Immer wieder opfern wir unser Selbst, bauen mit am Bau der anderen und helfen Institutionen begründen,, die Wehr und Waffen unserer Gegner werden. Aber wenn uns schon c&e historische Einsicht abgeht, müssen wir es dann durchaus ah jedem Ehrgefühl fehlen lassen? Und es ziemt sich für uns, die akademische Jugend, am alierwenigsten, uns scheu herumzudrücken um das, was uns täglich als unsere Eigenschaft vorgehalten wird, und was wir schließlich, wenn wir ehrlich sind, als die Grundlage unserer Existenz empfinden. Wenn wir um unseres Judentums willen entbehren müssen, dann wollen wir die Grundursache unserer Zurücksetzung auch kennen lernen. Darum ist Kenntnis des Judentums unsere erste Forderung. Und nächst der Kenntnis T~ offenes Bekennen. In-'einer Zeit, wo jede halbwegs geachtete studentische Korporation uns ausschließt, bedeutet eine akademische Vereinigung von Juden, die es nicht -wagt, nach außen hin ihr Judentum laut zu betonen und offen im Wappen zu führen, Feigheit und Ehrlosigkeit zugleich. Wie nichts anderes ist das akademische Leben befähigt, Männer heranzubilden.. Wie vermag das eine Korporation, die es nicht wagt, den Gegenstand der häufigsten und heftigsten Angriffe des späteren Lebens ihren Mitgliedern von Anbeginn an als. ein v.jTuct dz iUt\ ein fundamentales Besitztum, einzuprägen? Unser Judentum bleibt unser bestes Besitztum. Kann der Grund unserer Zurücksetzung wirklich zum Gegenstand unseres Stolzes werden? „Schart Euch um Euer Judentum und ver-