Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 11 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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37$ Der Jüdische Student buntfarbigen Symbol deutschen Studententums geschmückt, überlegen lächelnd und auf den Gruß des Juden wartend, an sich vorüberziehen. Ein Semester später — und auch sein Gruß bleibt aus. Und was tut der jüdische Student? Mag für den einen die Faber vom Fuchs und den sauren Trauben passen, mag es der andere aus ehrlicher Ueberzeugung tun: auf jeden Fall wird dem Couleurwesen die Fehde angesagt. Eine moderne Form soll die Studenten binden. Und sei es der literarisch-wissenschaftliche Verein, sei es das einfache Freundschaftsband Gleichstrebender, ein Wahlspruch eint sie alle: nil humani a me alienum. Doch — eines ist ihnen fremd, gerade das, was sie alle bindet: ihre Abstammung, ihr Judentum. Mit einer der Komik nicht entbehrenden Konsequenz wird jedes jüdische Thema gemieden. Das gebietet die Rücksicht auf die zwei anwesenden Christen oder wenigstensdie Rücksicht auf das Vereinsstatut, in dem ja von Judentum nichts enthalten ist. Ob wohl niemals in einem unserer Aestheten das Gefühl dafür erwacht, wie unwürdig, eine solche geflissentliche Ausschaltung einer Frage, ist, die tatsächlich nicht nur für ihren Zusammenschluß einzig und allein maßgebend gewesen ist, sondern auch ihr ganzes bisheriges und künftiges individuelles und soziales Leben in ausschlaggebender Weise beherrscht? So müssen wir fragen, wenn wir nicht ungerecht sein und den anerkennenswerten Zug nach Bildung, der diese Leute erfüllt, nicht geringschätzen wollen. Dazu haben wir umso weniger Grund, als gerade er noch am allerbesten für die so spezifisch jüdische Art jener äußerlich so rein deutsch sich gehabenden Aestheten Zeugnis ablegt. Noch eine andere Auslösung findet heute der jüdische Betätigungsdrang: die f r e i s t u d e n t i s c h e Bewegung. Es ist hier nicht der Platz, auf ihre Tendenzen einzugehen. In jedem Falle stellt sie eine verständliche Reaktion gegen die Auswüchse des Couleurwesens dar. Und da es nun einmal die Aufgabe der Juden zu sein scheint, auf allen Barrikaden des Fortschritts zu kämpfen, um sich dann victoria parta die bitterste Zurückweisung zu holen, so ist denn auch in der Freien Studentenschaft der Jude in erster Reihe tätig. Doch schon wiederholt sich dasselbe Bild, das uns Deutschland nach 70