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Der jüdische Student · 1913-02-28 · Heft 11 (28.2.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 11 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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177 gedrungen ist, wird die Taufe niemals die Lösung der jüdischen Frage bedeuten können. 9 Doch schon hat der Jude eine neue Antwort gefunden. Charakterisiert den Asemitismus die Negation des Juden, so reagiert der Jude auf ihn durch die Negation des Asemitismus. Das Judentum ist vergessen, die deutsche Kultur allein noch Ideal und Wertmaß. Doch der Deutsche mag nicht sein Ideal, mit uns teilen. Das einstige Mitschaffen von Juden erscheint ihm wie eine auszumerzende Verirrung, Judenreinheit seiner Kollegen-- und Gesellschaftskreise ist sein Postulat. Und der Jude? Von seiner Umgebung ausgeschlossen, ohne auf ihr Geistesleben verzichten zu können; um seines Judentums willen verstoßen, ohne daß das Judentum ihm irgend etwas bedeutet, sucht er, sich mit Seinesgleichen einen Kreis zu schaffen, um seinen Neigungen nachzugehen. Der jüdische Kaufmann, der fertige Akademiker schaffen sich ihre Zirkel, ihre künstlerischästhetischen Abendunterhaltungen. Hier dürfen sie sich heimisch fühlen. Durch die judenfeindlichen Zeitläufte in Berufe gedrängt, die oft genug ihrem inneren Wesen widersprechen, in jedem Falle aber um ihre volle Anerkennung betrogen, um ihres Judentums willen oft genug angerempelt, immer aber von ihrer Umgebung mehr oder weniger gemieden, dürfen sie sich hier ausleben, kommen sie hier vollauf zur Geltung. Man ist ja unter sich. Und sind Christen da, und sind es einmal nicht Getaufte, so sind es „vorurteilsfreie": sind es solche, die sich dem jüdischen Geistesleben verwandt fühlen oder für ihre künstlerischen Leistungen hier zum ersten Male Anerkennung finden, ja oft genug durch diese Kreise ihre künstlerische Laufbahn begründen, um sie dann nicht so ganz selten in judenfreier Atmosphäre und mit nicht immer verhehlter Verachtung der Juden fortzusetzen. Und der jüdische Student? Wie kein anderer ist er dem Judenhaß ausgesetzt. Denn es gibt keinen schärferen Antisemitismus, als den der deutschen Studentenschaft. Aus ihrer Mitte nahm der Judenausschluß seinen Anfang, hier fand er seine restlose Vollendung. Der jüdische Student erlebt ihn Tag für Tag. Kaum hat er sein Abiturium, kaum sind die letzten Klänge de-, Abschlußkommerses seinem Ohre entschwunden, und schon sieht er seinen Klassenkameraden ven gestern mit dem

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