Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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353 Der Jüdische Student Nationaljuden im höchsten Sinne zu verdienen, und der Satz Hirschbruchs, daß ein Zionismus ohne Judentum, getragen von diesen Juden von gestern, zur öden Parteiphrase werde. Sie sagen etwas ganz Unmögliches. Ein Zionismus ohne Judentum ist ein Unding. Es gibt nichts Jüdischeres im Golus als den Zionismus. Wer in der jüdischen Tradition aufgewachsen ist und spürt nicht den Hauch des Zionismus oder sperrt sich gar ab gegen seinen Odem, der hat keinen Anspruch auf den Ehrennamen eines Nationaljuden. Ob jemand nationaler Jude ist, ergibt sich lediglich aus seiner inneren Stellungnahme zum Zionismus. Und nun das Erleben des Zionismus, Hirschbruch und Apt denken an die nationale Fortbildung der ehrwürdigen Formen der jüdischen Tradition im Golus und glauben dadurch zu einer befriedigenden nationaljüdischen Lebensform gelangen zu können, zu einer solchen Form, in der ihnen ihr Judentum „zur Selbstverständlichkeit" wird. Adolf Böhm legt in einem ungemein interessanten Artikel dar, daß durch solche Versuche ein zionistisches Reformjudentum geschaffen werde, ein aus allerlei Rücksichten und Willkürlichkeiten zusammengebrautes Judentum, das trotz der nationalen Färbung sich nicht durchzusetzen vermöge gegenüber der fest geschlossenen Lebensform des alten religiösen Judentums und das machtlos sei gegenüber der wertvollen Schicht der modernen Kulturjuden des Westens. Böhm meint, hier zeige sich das begreifliche Streben nach "einer zionistischen Lebensform; doch sei dieses Streben eine vergebliche Mühe, denn es gebe keine zionistische Lebensform in der Diaspora; das sei die große Tragik des Golus; und wir müßten die Kraft haben, diese Tragik auf uns zu nehmen. Wären diese Böhm sehen Gedanken richtig, so müßte man unseren Jungen sagen: Uebt Euch in der Tugend der Resignation. Sie scheinen mir aber durchaus anfechtbar. Ich will dahingestellt sein lassen, ob das, was er von der Wirkung im Golus entstandener nationaler Neubildungen sagt, richtig, ist. Sicherlich hat er darin recht, daß in dieser zugestutzten Tradition keine zionistische Lebensform zu erblicken ist. Aber eine zionistische Lebensform, ihre Möglichkeit zu leugnen, scheint mir unverständlich. Es muß eine zionistische Lebensform geben. Es ist der einzige Kraft-