Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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i55 Der Jüdische Student Die Notwendigkeit einer bis zu einem gewissen Grade gleichen Ausbildung der B. J.C.-er und die Rücksicht auf die zwar grundsätzlich zu vermeidende, tatsächlich nicht immer zu umgehende Ueberweisung von Füxen macht die Vereinheitlichung des Fuxenunterrichts im Kartell wünschenswert. Dennoch ist die Einführung eines einheitlichen Systems zu vermeiden. Dem Fuxmajor muß die Möglichkeit bleiben, ein seiner Persönlichkeit angemessenes System selbst sich zu schaffen. Für eine Vereinheitlichung im Kartell genügt die Festsetzung bestimmter Ziele, die in jedem Semester zu erreichen sind. Jedoch ist die derzeitig giltige Prüfungsordnung keineswegs ausreichend, um für die Erwerbung eines bestimmten Wissensmaßes Garantie zu bieten. Die Einrichtung zweier getrennter Kurse ergibt sich nach dem oben Gesagten von selbst Ob wir inhaltlich die beiden Kurse gleich gestalten werden, indem wir in beiden jedesmal die Argumentation des Zionismus geben, das zweite Mal in vertiefter Form, ist zweifelhaft und soll noch erörtert werden. Zunächst die Frage nach dem Geschichtsunterricht. -Die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte erstrebt zweierlei. Erstens die Anbahnung eines vertieften Verständnisses der Gegenwart. Zweitens die Erweckung des Nationalgefühls: „Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist die Begeisterung, die sie in uns erregt" (Schiller). Wir müssen von dem Fuxen die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte verlangen und werden ihm insbesondere Kapitel auswählen, die beiden Zwecken am besten genügen. Ein Lehrbuch, das wir unseren Füxen mit gutem Gewissen in die Hand geben können, gibt es nicht. Der kleine Grätz ist langweilig, der große Konstruktion, der Philippson für unseren Zweck unbrauchbar, Schürer zu umfangreich, eine zu kleine Epoche umfassend und stellenweise christlich tendenziös, lieber andere schweige ich lieber. Grätz: „Die Konstruktion der jüdischen Geschichte" und Dubnow: „Die jüdische Geschichte" sind als Lektüre zu fordern. Der Mangel eines geeigneten Lehrbuches erfordert einen Geschichtsunterricht. Doch bedarf es dazu eines Fuxmajors, der nicht nur über historische Kenntnisse, sondern auch über ein gewisses Maß von historischem Verständnis verfügt. Lieber gar kein, als. ein langweiliger, schlechter Geschichtsunterricht. Die Methode ist das Referat mit eingestreuten, über das Verständnis orientierenden .Fragen, zur nächsten Stunde aufgegebenen Pensen, die abgehört werden. Unseren Zwecken entspricht etwa folgende Einteilung: l. Semester. . 1. Urgeschichte des jüdischen Volkes (die Bibel als geschichtliches Dokument; moderne Orientwissenschaft).