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Der jüdische Student · 1913-01-28 · Heft 10 (28.1.1913) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 10 (28.1.1913)
Date
1913-01-28
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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Der Judische Student 351 Der Fux hat das Abitur glücklich geschafft und ist mit. der üblichen Dosis von Schulüberdruß zur Genüge versehen. Er ist ferner noch nicht V. J. St.-er genug, um eine Portion ihm widerwillig auferzwungener Fuxe.nstunden ertragen zu können. Daher muß Art und Ansehen der Schule dem Fuxenunterricht fern sein. Er ist aber auch kein Kolleg; dem sogenannten wissenschaftlichen Fuxmajor fehlt die wissenschaftliche Vorbildung. Daher ist grundlegender Gedanke: das Erregen von Interesse; das leitende Prinzip ist—auch aus Mangel an Zeit zur Uebermittelung des gesamten Wissensstoffes — die Anregung. Für die Gestaltung der Unterrichtsmethode ist maßgebend unser Erziehungsideal: die Persönlichkeit. So soll auch der Fuxmajor wirken in erster Linie durch seine Persönlichkeit. Ihr hat er seine Methode anzupassen, der zweckmäßig für das erste Semester die Vortragsform, für das zweite die Seminarform zugrunde zu legen ist. Zum sogenannten wissenschaftlichen Fuxmajor ist in der Regel ein erfahrener, älterer Bundesbruder (X A. B. oder A. H.) zu wählen. Er muß nicht nur über die genügenden Kenntnisse verfügen, sondern vor allem eine Persönlichkeit sein, die dem oben bezeichneten Ideal-Y. J. St-er möglichst nähe kommt. Der Fuxenunterricht ist nicht nur Unterricht, sondern auch Erziehung. Der wissenschaftliche Fuxmajor beaufsichtigt die jüdische Erziehung der Füxe, wie der Komment-Fuxmajor die allgemeine. Wie jene die wichtigere ist, so ist das Amt des Komment- Fuxmajors die Vorschule des wissenschaftlichen Fuxmajors, den wir besser Tendenz-Fuxmajor nennen wollen, ebenso wie wir den wissenschaftlichen Fuxenunterricht besser als „Tendenzunterricht (im weiteren Sinne)" bezeichnen oder als den „Kursus der judenfrage". Daher steht der Tendenz-Fuxmajor inständigem Konnex mit den Leibburschen und dem Komment-Fuxmajor. Er leitet und prüft die häusliche Arbeit der Füxe unter Vermeidung jeder allzu genauen Umgrenzung des Privatstudiums. Um die Einheitlichkeit zu wahren, soll derselbe Tendenz-Fuxmajor nach Möglichkeit zwei Semester hintereinander den Kurs ♦ leiten, so daß praktisch in jedem Semester zwei Tendenz-Fuxmajore (der eine für die erst- und der Fuxmajor des vergangenen Semesters für die zweitsemestrigen Füxe) zu wählen sein werden. Der Fuxmajor' hat sich ständig über die Fortschritte der einzelnen Füxe in. Bezug auf Wissen und Verständnis durch eingestreute Fcagen Rechenschaft zu holen. Begabtere Füxe sollen durch kurze Referate innerhalb des Unterrichtssystems den Fuxmajor unterstützen, so durch Selbstbetätigung an Interesse gewinnen und die eigne Ausdrucksform üben. Ob es zur Auf- ■ gäbe des Tendenzunterrichts gehört, jeden Fux im Referieren zu üben, erscheint zweifelhaft. In jedem Fall ist auf gedankliche Klarheit, Kürze und Knappheit des Ausdrucks Wert zu legen.

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