Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 10 (28.1.1913)
- Date
- 1913-01-28
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537600-3537610--2658-3540756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 337 Man muß sich diese Stimmung vor dem K. T. vergegenwärtigen, wenn man das richtige Urteil über den tatsächlichen Verlauf finden will. Der K. T. hat den auf ihn gesetzten Erwartungen in keiner Weise entsprochen. Es ist schwer, über - ihn zu schreiben, weil all die langen Verhandlungen im Ergebnis kaum einen anderen Eindruck als den der Verschwommenheit, -Unklarheit und darum Inhaltslosigkeit hinterlassen haben. Es ist unmöglich, ihnzu charakterisieren, weil es keine Höhepunkte oder einheitlichen Stimmungen gab, die wesentliche Züge herauszuarbeiten vermocht hätten. Dieser Kartelltag brachte nicht einmal jenes intensive und freudige Gefühl jüdischer Gemeinschaft und jüdischer Aktivität hervor, welches sonst immer auf Kongressen, Delegiertentagen, Kartelltagen, ganz unabhängig vom sachlichen Inhalt, von den Anwesenden als Wert empfunden wird. Es mag sein, daß gerade, in dieser Richtung die gänzlich ungenügenden äußerlichen Vorbereitungen besonders störend wirkten. Immerhin hätte ein inhaltlich wertvoller Verlauf der Verhandlungen hiervon viel gutmachen können. Der Inhalt der Debatten war hierzu jedoch keineswegs angetan. Schon die Generaldebatte verlief völlig unbefriedigend, insofern als sie sich fast ausschließlich mit dem Verhältnis des Zionismus zum deutschen Judentum beschäftigte und Fragen praktischer Politik erörterte, welche die Zuständigkeit des B.J.C. nicht berühren. Ueberdies war die Mehrzahl der Delegierten ^•sich einig in der Anschauung, daß an der bisherigen Entschiedenheit und an der Ablehnung aller sogenannten Vorstufen und neutralen Angelplätze festzuhalten sei. Es war daher uninteressant, wenn von einigen wenigen Andersgesinnten in größter Ausführlichkeit die alten Gegenargumente vorgetragen wurden, die durch manche seltsamen Verworrenheiten nicht zugkräftiger wurden. ' - Ebensowenig brachte die Beratung der den B. J. C. näher angehenden Fragen etwas Wertvolles. Hier konnte man bald völlige Uebereinstimmung, bald schroffste Gegensätze beobachten. Und das war nicht etwa aus der Natur der Beratungsgegenstände zu erklären, sondern aus einer Unsachlichkeit und einem Mangel an Urteilsfähigkeit, welche die für die Verhand-