Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 9 (17.12.1912)
- Date
- 1912-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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30S Der Jüdische Student Für sie ist dann das Ziel erreicht, das Z 1 o c i s t i, meiner Ansicht nach mit vollem Recht, erstrebt. Ihr Judentum ist ihnen zur Selbstverständlichkeit geworden, sie brauchen nicht mehr ein nach allen Regeln der Kunst und Wissenschaft ausgebautes System des Zionismus. „Schön," werden diejenigen sagen, die mit ihrem scharfgeschliffenen logischen Seziermesser das nationale .Judentum von dem religiösen zu trennen verstehen, „die nationalen Feste beibehalten, gut, wozu aber die überlieferten Festgebräuche, wozu den Seder, die achtarmige Menorah, da wir als aufgeklärte Menschen doch nicht an das Wunder mit dem Lämpchen glauben, wir können doch statt dessen eine zionistische Volksversammlung im Tiergartenhof einberufen." Gewiß, das ist auch eine Form der Feier, aber die Frage ist nicht die: Können wir nicht statt der traditionellen Form auch eine andere einführen? — eine solche Frage ist eines Assimilanten würdig, der nach Möglichkeit alles spezifisch Jüdische von sich abstreifen will —, sondern vielmehr folgende: Liegt wirklich ein vernünftiger Grund vor, mit der uns überkommenen Tradition zu brechen? Und überlegen wir einmal in Ruhe und objektiv. Was ist denn eigentlich am Chanukah das Unzeitgemäße, der achtarmige Leuchter, das Lichterzünden, das Moaus zur? ich weiß es nicht; oder beim Seder? Was von den nationalen Festen gilt, gilt aber auch von den Festen* ohne ausgesprochen nationalen Inhalt, von den sogenannten religiösen Festen, vom Freitag-Abend. Auch zu Gunsten des Freitag-Abends könnte ich verschiedenes anführen. — Nein, ich will es nicht tun; und ich bedauere es fast, das Festhalten an den jüdischen Nationalfeiertagen ausdrücklich begründet zu haben. Ist es je in der Welt vorgekommen, daß man das Recht auf die Freude ausdrücklich begründet hat? Wir, die wir uns stolz Nationaljuden nennen, und denen das nicht nationale Phrase ist, wir sollten nicht mit allen Fingern nach dem kostbarsten Gut jüdischen Geistes, den jüdischen Fes:en, greifen, •um sie als ewigen Besitz festzuhalten? Denn daß unsere Feste Offenbarungen jüdischen Volksgeistes sind, daß sie also auch dort, wo der nationale Inhalt fehlt, der Form nachjrn höchsten Sinne des Wortes national sind, bedarf keiner weitläufigen Begründung. Sowohl die lebhafte Freude am Chanukah als auch