Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 9 (17.12.1912)
- Date
- 1912-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judische Student 309 das stille Genießen eines Freitag-Abends ist beides urjüdische Eigenart. Und dieses Recht auf Freude sollten wir erst begründen müssen! Wer dieses Gefühl, trotzdem er ohne Voreingenommenheit derartige Feste mitgemacht hat, nicht mehr besitzt, der mag zwar ein guter politischer Zionist und Propagandist sein, den Ehrennamen eines Nationaljuden im höchsten Sinne des Wortes spreche ich ihm ab. „So predigst Du also doch Rückkehr zur Orthodoxie?' wird man mir entgegenhalten. — Nein. Aeußerlich betrachtet, mag diese Betätigung des Judentums der Betätigung eines Orthodoxen ähnlich erscheinen, innerlich sind sie durchaus nicht gleich, weil aus ganz anderen Motiven stammend. Um es noch einmal zu sagen: der Orthodoxe feiert seine Feste weit er muß, •der Nationaljude weil er will. Dieser fundamental verschiedene Ausgangspunkt ist nicht lediglich ein rein theoretischer, sondern auch ein praktischer. Theodor HerzI sagt einmal: „So ging er her und entwarf •mit seiner geübten Hand eine Zeichnung für die Menorah. Frei gestaltete er das Motiv der acht gleich hoch auslaufenden Arme aus. Er hielt sich an die steife überlieferte Form nicht für. gebunden, sondern schuf wieder aus Natürlichem heraus. Er \Var auf lebensvolle Schönheit aus. Doch wenn er auch in die erstarrten Formen eine neue Bewegung brachte, hielt er sich dennoch an ihr Gesetz, an den vornehmen alten Stil ihrer Anordnung/' _^ So wie HerzI es mit der Menorah machte, so wollen wir es mit unseren Festen machen. Wir halten uns nicht, wie der Orthodoxe, „an die steife überlieferte Form gebunden", sondern gestalten uns die Feste nach unserem individuellen Empfinden aus, wohl aber sollen wir uns an das „Gesetz, an den vornehmen alten Stil ihrer Anordnung" halten, d. h. wir sollen mit der Tradition nicht brechen, sondern, an sie anknüpfen und sie organisch weiterbilden. * ' * - Fabian (Ma A.H.), Dortmund, äußert sich zu Hirschbruchs Artikel folgendermaßen: * „Es ist ein Fehler, alles von der Gemeinschaft zu erwarten, •der man angehört. Immer war es das Kennzeichen der Besten,