Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 9 (17.12.1912)
- Date
- 1912-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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ich nicht weiter zu reden, — dagegen wird sich wohl kein Widerspruch erheben, — wohl aber gegen die Forderung der Rückkehr zur judischen Tradition. Daher erscheint mir der folgende Aufsatz, der schon vor der Veröffentlichung des Hirschbruch sehen Artikels im wesentlichen fertig war (ich bitte daher, etwaige Wiederholungen zu verzeihen),, auch jetzt noch durchaus nicht für überflüssig, weil ich darin die von mir geforderte Rückkehr zur jüdischen Tradition, speziell den jüdischen Festen, gegen den Vorwurf der Orthodoxie verteidigen will. Um das Problem zweckmäßig anzugreifen, gehe ich davon aus, wie sich ein strenggläubiger, orthodoxer Jude in der Regel dazu stellt. Ihm gelten Feste und Festgebräuche als von Gott" geboten. Er empfindet sie zwar als einen gewissen Zwang, hält aber trotzdem unverbrüchlich an ihnen fest, hält sich nicht für berechtigt, auch nur das Geringste zu ändern, weil er eben alles für göttlichen Ursprungs hält. Was geschieht nun, wenn ein , in seiner Jugend orthodox Erzogener später zu der Anschauung kommt, daß sein früherer Glaube falsch sei? Vielfach kommt es dann so, daß ein derartiger Mensch den ganzen „Krempel" über den Haufen wirft und zum Spötter wird über die, die noch an der Tradition festhalten. Wir haben genug Bundesbrüder, die diesen Entwicklungsgang genommen haben und in diesem Uebergangsstadium stehen geblieben sind. Es ist ein Uebergangsstadium und vielleicht ein notwendiges. Vielleicht muß man einmal in seinem Leben die Fesseln der Orthodoxie gesprengt haben, um dann als freier Mann reumütig, zum traditionellen Judentum zurückzukehren. Es gibt nämlich noch einen andern als den oben skizzierten Standpunkt für das Festhalten an der jüdischen Tradition. Der nationale Jude soll seine jüdischen Feste feiern, nicht weil er muß, wie es die Orthodoxie verlangt, sondern weil er will, will aus der ganzen Freiheit seiner Persönlichkeit heraus Und er muß es aus verschiedenen Gründen wollen. Einmal sieht er in einem Chanukah- oder Seder-Abend das beste Mittel, um seine Kinder, denen er ja wohl schwerlich fruchtbringende Vorträge über das Rassenproblem, über den Wert der jüdischen Eigenart für die Gesamtkultur halten .kann, von vornherein gefühlsmäßig zu guten Nationaljuden .zu machen.