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Der jüdische Student · 1912-12-17 · Heft 9 (17.12.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 9 (17.12.1912)
Date
1912-12-17
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Jüdische Student 303 Wünsche für den Kartelltag Von Dr. Eduard Königsberger (Breslau Ä. H.), Mülheim (Ruhr) Die Aussprache auf der Tagung des rheinisch-westfälischen Bezirksverbandes gibt mir- Anlaß zu folgenden Bemerkungen. Um die Zeitung nicht zu beschweren und weil ich annehme, daß sie alsdann eher gelesen werden, will ich sie tunlich knapp formulieren. Sie näher auszuführen, behalte ich mir für den Kartell tag vor. Zunächst zur Frage des Präsidiums. Seine Befugnisse sind in den Kartellstatuten geregelt. Es ist Exekutivorgan oder, wenn es so besser klingt, Regierungsorgan, — jedenfalls nicht die Regierung! Zu einer solchen entwickelt es sich aber immer mehr, auch in Fragen der Tendenz; es übt auch Disziplinargewalt, erteilt Rügen wegen angeblicher Nichtbetätigung, ich sage angeblich, weil ich nicht weiß, wenigstens was mich persönlich anlangt, woher es seine falschen Informationen bezieht; es rügt auch mangelnde Bestellungen und, wie ich aus Bonn höre, auch Zahlungssäumnis beim Jüdischen Verlag. Kompetenz? Der Grund hierfür, aber keiner, der alles verzeihen läßt, beruht in der Hauptsache auf seiner Beurteilung aller und jeder Verhältnisse vom Orte seines Sitzes aus, zum andern in seiner m. E. unzweckmäßigen Besetzung, wobei mir die einzelnen Personen als solche natürlich höchst gleichgiltig sind. Ich komme darauf noch zurück. — Da ich fast 30 Jahre im Osten Deutschlands gelebt habe, kann ich beurteilen, daß die Verhältnisse in puncto Judentum hier im Westen wesentlich anders liegen als dort; sowohl was jüdisches Leben überhaupt, als auch was Erziehung und Beschäftigung mit jüdischen Dingen insbesondere anlangt Man ist hier fabelhaft voraussetzungslos, abgesehen vom Aerger über den Zionismus. Demnach muß auch die Propagierung unserer Ideen hier anders .geschehen als im Osten, — wie, kann ich vorläufig noch nicht recht sagen, wahrscheinlich aber etwas vornehmer, milder als dort, jedenfalls ohne die große Schärfe, mit der ich früher habe streiten sehen. Sonst geht die Sache sofort schief, wofür ich Dutzende von Beispielen anführen-könnte. — Für den Norden und Süden werden die Verhältnisse kaum anders liegen. B e r 1 i n kann daher bei vielen hier in Betracht kommenden Fragen, ich exemplifiziere nur auf die Beziehungen zu anderen jüdischen Organisationen, nicht ausschließlich Anerkennung der dort geübten Grundsätze für das ganze Reich beanspruchen. Wenn ich nicht irre, ist aber das Präsidium fast ausschließlich mit Berlinern besetzt, die aus Spreeathen selten oder gar nicht herauskommen, auch nicht herausgekommen sind, und dazu mit

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