Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 9 (17.12.1912)
- Date
- 1912-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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302 Der Jüdische Student klärt, seine Streitigkeiten mit anderen Juden nicht auf dem Wege des Zweikampfs austragen zu wollen, als gesellschaftlich minderwertig bezeichnen würden. Es gibt allerdings Juden und besonders jüdische oder sich wenigstens so nennende Korporationen/ die in diesem Grade assimiliert sind. In einem solchen Falle würde uns dann nichts übrig bleiben, als schweren Herzens aus unserer Zugehörigkeit zu einer studentischen Korporation die Konsequenzen zu ziehen. D?ß ein solches Vorgehen uns aber nicht schwer fällt, daß wir uns gar nichts dabei denken, oder daß es uns vielmehr noch Freude macht, wenn wir einen K. C.-er zum Beispiel auf diese Art verdreschen können, das ist das bedenkliche Symptom, gegen das ich mich wende. Ich glaube, daß der V.J. St. München diese Erwägungen nicht angestellt hat, sonst wäre es ihm möglich gewesen, die Forderung zu unterlassen oder sie wenigstens im E. O. zu Fall zu bringen. Ich weiß weiter von vielen Bundesbrüdern, daß sie ebenso ruhig gegen einen Juden wie einen Nichtjuden antreten würden. Und ich bezeichne dies als einen Mangel an Volksbewußtsein, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann. Daher muß ich mich auch gegen die Methode wenden, in der bei unserem Fuxenunterricht die Satisfaktionsfrage behandelt wird. Gewiß sollen und müssen wir unsere Füxe zur Satisfaktion speziell bei antisemitischen Beleidigungen erziehen, aber durch die ganze Art der Argumentation, wie .man im B. J. C. zur unbedingten Satisfaktion erzieht, muß in unseren Bundesbrüdern dieser Mangel an Volksbewußtsein entstehen, wie ich ihn vorher skizziert. Dem XII. Kartelltag wird ja vom V.J.St. Königsberg der — wenn auch -verhüllte — Antrag auf unbedingte Satisfaktion im ganzen Kartell vorliegen. Ich verkenne nicht, daß es örtliche Gründe gibt, die dafür sprechen könnten. Prinzipiell aber zeigen solche Anträge, mir und auch vielen anderen, daß wir mit diesen Dingen in ein immer unjüdischeres Fahrwasser geraten, während wir auf der anderen Seite sehen, wie weite Kreise von der gegenwärtigen Lage im B, J. C in jüdischer Beziehung unbefriedigt sind und eine steigende Veräußerlichung und Verflachung voraussehen. Der Kartelltag bietet Gelegenheit zur Aussprache über diese Dinge.