Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 8 (26.11.1912)
- Date
- 1912-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Judische Student 267 wollen. Schützend und stützend, stehen sie um das Archiv und sollen unabhängig vom Ergebnis geboten werden, das kein Wissenschaftler vorher genau weiß, höchstens fühlt; denn der Stoff geleitet ihn, beherrscht ihn wie den Künstler sein Erlebnis, wandelt ihn so wie sich. 3. J a h r b u c h : Sind die Beihefte zum Archiv, an den Stoff, an den Autor, an seine Arbeitskraft gebunden und an das Bedürfnis, das zu erwecken, suggerieren freilich nicht so schwer ist, im Erscheinen also irregulär, so sind die Jahrbücher eine periodische, wiederkehrende Erscheinungen wie das Archiv selbst, nur in anderen Abständen, mit anderen Ansprüchen von Seiten der Leser wie der Herausgeber. Es gibt mehrere Möglichkeiten für Einrichtung solcher Jahrbücher. Ich stelle ausführlicher als etwaige Probe das Jahrbuch des Jüdischen Studenten dar, wenigstens ungefähr und primitiv, ohne Verbindlichkeit, nur als Anregung ). Ein anderer Typus des Jahrbuches wäre der, der unter einem einheitlichen Thema als Propagandaheft, als Jahrbuch des Archivs eine Anzahl organisch verbundener Aeußerungen bringt, die dasselbe Problem von verschiedenen Seiten beleuchten. Zum Beispiel Jahrbuch jüdischer Kultur oder jüdischer Politik mit den *) Ein Jahrbuch, dessen Erscheinen in den unten skizzierten Grenzen der Kartelltag vielleicht beschließen könnte, anstelle eines geplanten aber nicht zustande gekommenen Almanachs oder ähnlicher Homunkuli, die nicht leben und nicht sterben können. (Wobei ich allerdings gleich hinzufugen möchte, daß ich mir. sehr gut eine Ausgestaltung des Kartelltags vorstellen kann, etwa in folgender Richtung; bisher wird neben dem Ball und neben dem Kommers als den eigentlich repräsentativen Gelegenheiten der Kartelltag angefüllt mit organisatorisch-technischen oder Tendenzfragen, die vom Präsidium und den Referenten mehr oder minder gut vorbereitet, von den Rednern mit mehr oder weniger bewundernswerter Diskussionswut begleitet werden; dazu kommt Persönliches, das manchmal sich stark in jjen Vordergrund schiebt oder aus dem Hintergrund wirkend die Gemüter beeinflußt; als drittes Moment tritt manchmal ein Höhepunkt auf, der als Erinnerung fortwirkt, den man als Eindruck mitnimmt, mag er sich an eine Person oder an eine Idee hängen. Diesen Höhepunkt mochte ich gern sichtbar oder dauernder machen, und ich gebe diese Anregung meinen Bundesbrüdern zur Ueberlegung und zur Verwirklichung zu bedenken; ob es sich nicht empfehlen würde, einige Referate, die von verschiedenen Persönlichkeiten des B. J C. gehalten, um Probleme unseres Denkens und Woilens sich gruppieren, vor einer ausgewählten offiziellen Oeffentlichkeit halten zu ' lassen, etwa nach Art des Berliner Festkonventes 1910; man zwingt die Oeffentlichkeit dadurch, sich stärker mit uns zu beschäftigen; die Regie muß niustergiltig sein in Vorbereitung, in Auswahl des Stoffes, der Redner, des Publikums und in der Aufmachung. Wir müssen jiann ernsthaft, weil -und wenn wir es können, daran denken, als Tatsache, nicht als Forderung, die geistige Elite des Jungjudentums zu repräsentieren; das ist keine Durchbrechung des korporativen Prinzips, sondern eine Ausgestaltung. Themata gab's genug, die auch unseren Jungens Erinnerung und Wirkung mitgäben, den anderen unsere Fortschritte, , unseren Ernst, anders als jede verhallende Tendenzrede des Kommerses, die man darum nicht geringschätzen soll, schildern, würden,