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Der jüdische Student · 1912-11-26 · Heft 8 (26.11.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 8 (26.11.1912)
Date
1912-11-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Judische Student 261 Ich glaube, daß man es auf einen Versuch ankommen lassen könnte. Haben wir nur einmal eingesehen, daß ich mit dem, was ich oben dartun wollte, nicht ganz unrecht habe, so wird das folgende vielleicht schon weniger utopistisch erscheinen. Im Voraus möchte ich sagen, daß die folgenden drei Vorschläge sicher nicht die einzigen sind, die in der von mir gewünschten Richtung unsere Erziehung beeinflussen können; bei gutem Willen lassen sie sich, wie ich sicher glaube, vervielfachen. Um gleich das „Schlimmste" zu Anfang zu setzen: Das beste Mittel, um ein spezifisch jüdisches Gefühl in unseren Reihen zu erwecken, scheint mir die Wiederbelebung der alten national-religiösen Formen. Hierbei möchte ich besonders Erwin Goldemann versichern, daß ich keinerlei orthodoxe Ambitionen hege! Aus den ghetto-religiösen Zeremonien, so hoffe ich, werden wir im B. J. C. wieder eigenartig - nationale Formen herausbilden. Dies zu erreichen, wäre doch ein großer und schöner Erfolg, wie mir scheint. Viele Bundesbrüder kennen die Freitagabende bei Zlocisti, ähnliches meine ich — es näher auszuführen, wäre an dieser Stelle zwecklos, ich fürchte auch den — allerdings recht billigen — Spott vieler Bundesbrüder. - Einen Alten Herren, sicherlich einen der besten, die wir in unseren Reihen finden werden, hörte ich bitter klagen, daß er seinen Kindern ein jüdisches Haus, die beste Grundlage (wenn nicht die einzige) für eine wirklich jüdische Erziehung, nicht geben könne, eben weil er selbst sie nie gehabt hätte; daß er ratlos dastehen würde, wenn sein Kind ihn fragen wird: „Warum feiern wir denn njcht die jüdischen Feste, von denen der Lehrer doch erzählt?" Viele unserer älteren Alten Herren dürften in ähnlicher Lage sein. - - Es könnte möglicherweise seltsam erscheinen, daß ein so junger - Bundesbrüder gerade über diese Dinge spricht, doch auch uns junge und jüngsten B.J.C.-er geht die Frage an. Haben wir im B. J. C, in unserer Korporation, den Ersatz des jüdischen Hauses gehabt, dann werden wir unsere Kinder später jüdisch erziehen können und uns nicht „schautig1vorkommen, wie jener Alte Herr sägte, wenn wir unser Haus zu einem wirklich jüdisch-nationalen machen wollen.

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