Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 8 (26.11.1912)
- Date
- 1912-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Der Jüdische Student IV, Mein zweiter Vorschlag dürfte wohl weniger Gegnerschaft finden: wir müssen uns wieder mehr mit der Bibel beschäftigen mit der Gotik in unserer Literatur, wie sie ein Bundesbruder einmal nannte. Die wenigsten von uns sogenannten Nationaljuden werden dies großartige Werk unmittelbar auf sich haben wirken lassen. Was wissen wir von dem unvergleichlichen Pathos (jüdisches Pathos',! Avenarius!) eines Arnos und Micha, eines Jesaia und Jererma! Wer von uns kennt die lapidare, eines Euripides würdige Tragik in den Büchern der Könige; wer die. süße Schwermut des Kohelet? V. Drittens endlich verlange ich, daß weit mehr als bisher die Kenntnis des jüdischen Volkstums und Volkscharakters in unserer Erziehung eine Rolle spiele. Hierher gehört die^ Beschäftigung nicht nur mit den sozialen, politischen^ und wirtschaftlichen Verhältnissen unseres Volkes, vor allem natürlich. der Juden, in der jüdisch sprechenden Diaspora, sondern — und nur so werden wir der Seele der Ostjuden nahekommen und selbst jüdische Werte erwerben — die Vertiefung in die Schätze der jüdischen Sprache und Literatur. Was wissen wir-Avon dem Juden des Ostens? Von seinem Denken und Fühlen, seinem Lachen und Weinen? (Ein Buch wie Bernsteins: Jüdische Sprichwörter gibt es, glaube ich, in keiner V. J. St.-Bibliothek.) , Wir müssen suchen die jung-jüdischen Abende auszugestalten, ' wirwiüssen unsere Leute in die Jargonliederabende gehen lassen (jeder davon ist mehr wert als sechs- Fuxenstunden!), wir müssen Jargonzeitungen in den Vereinen halten und lesen. Wir wollen doch nicht vergessen, auch in unserem neuhebräischen Hochmut nicht, daß jüdisch die Sprache von drei Vierteln unseres Volkes ist, die einzige, in der es wirklich jüdische Kunstwerke schafft.! — . # Damit wäre ich zu Ende. Was ich bringe, sind Anregungen, die ich zur Diskussion stelle, Skizzen, nichts Fertiges. Andere geeignete Verschlage lassen sich, wie gesagt, noch finden. Und gehen werden wir den von mir gezeichneten Weg, früher oder später, müssen. Ein Zionismus ohne Judentum, getragen von diesen Juden von gestern (wie Achad Haam sie