Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 8 (26.11.1912)
- Date
- 1912-11-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Der Jüdische Student Positivismen nach einem Semester noch vorhanden ist, will ich lieber nicht untersuchen. Aber ganz etwas Unglaubliches will ich Euch nun sagen: Eure Fuxenstunden, Eure Diskussionsabende, Eure hebräischen Kurse und alles ähnliche sind dafür, daß unsere Leute, die aus der Assimilation kommen, zu Juden werden, daß sie bei uns wirklich das verheißene Jüdische Milieu4 finden, daß sie, um es ganz prägnant zu sagen, ihr Judentum erleben, keinen Pfifferling wert. Wenn ich weiß, was: ,ich komme Dir einen HalbenV auf - Hebräisch heißt, so bin ich noch genau derselbe 'Assimilant' der ich war, und lernte ich auch alle Artikel des Herrn Max Nordau auswendig und den ,neuen Ruppinc dazu. Und nun seht Euch doch einmal einen großen Teil unserer Bundesbrüder, namentlich natürlich die aus dem Westen Deutschlands* auf ihr Judentum an. Ihr werdet solche finden, die etwa bei einem Jargonliederabend, bei dem manchem die Tränen "aufsteigen, lachend und mit demselben Verständnis dasitzen, mit dem ich etwa Herrn Professor Cohen aus Marburg zuhören würde, wenn er einen seiner herrlichen Vorträge über das Judentum hält. Im K. C, so hörte ich, soll der pöniert werden, dem — horribile dictu — ein jüdisches4 Wort entschlüpft. Auf einer Kneipe in einem V. J. St. sprach einmal in der Fidelitas jemand von,Dalles4 oder etwas ähnlichem. Prompt wurde auf dem nächsten Konvent gefragt, ,ob der Jargon jetzt die offizielle Sprache des V.J. St. sei4. Ich bin davon überzeugt, daß solche Dinge typisch sind. Wir haben immer noch nicht aufgehört, uns vor einander zu genieren, daß wir wirklich die Enkel jener Jargonjuden sind. Solange wir das Stück K. C-ertum nicht los sind, das trotz allem in uns steckt, haben wir kein Recht zu sagen, wir hätten die Assimilation überwunden.* Was ich meine, hoffe ich, ist verständlich; anders beweisen kann ich es nicht, es liegt hier eben viel gefühlsmäßig zu Erfassendes vor." III. „Wie nun willst Da dies — gesetzt Du hättest recht — ändern? Kannst Du uns, die wir ja im täglich erneuten Ansturm unserer unjüdischen Umwelt stehen, jüdischer machen, als Wir von Hause aus sind?" '. ■