Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 7 (23.10.1912)
- Date
- 1912-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 241 Juden; aus der sozialen Frage das Klassenproblem und die Probleme, die sich um die Psyche und die wirtschaftliche Fundierung des jüdischen Arbeiters drehen oder das wichtige Problem der Berufswahl und ihrer Beeinflussung im Interesse des Judentums und all die Fragen, welche sich Jür alle Disziplinen .im Einzelnen und im Gesamten an dies „Experimentiervolk der Menschheit" knüpfen, welchen Namen die Juden manchmal mehr verdienen als die Franzosen, denen eine nicht immer einwandfreie Bewunderung diesen zweischneidigen Namen gab. Und dabei sind das nur. primäre Themen, die individuell gestellt sind. Ich erwähne noch gar nicht diejenigen, die sekundär, als aktuelle, sich an ein Wort, ein Problem, eine Erscheinung unseres Alltagslebens oder unserer'Geseiischaft, an eine Umgestaltung durch irgend ein wesentliches Ereignis, an eine neue Konstellation politischer, sozialer, individueller Natur ergeben; ich glaube, der kurze Ueberblick lehrt, ein Stoffmangel ist nicht unsere Gefahr. ^b) Die Tatsachenchronik soll in jedem Hefte, d. h. nach dem .Ablauf eines Vierteljahrs all das zusammenfassen, und zusammentragen, was als bedeutsam in der Geschichte des Judentums hervorgetreten ist. Abseits von allen Ephemeren, mag es nun Khillepolitik oder zionistische Vereinsberichte oder persönliche Ehrungen und Kränkungen sein, alles Dinge, die notwendig und mit Recht in unseren Zeitungen stehen, soll sie versuchen, das Bleibende festzuhalten, das Bedeutende, auch wenn es nur einmalig ist, zu unterstreichen und so als Typisches, als Symbol und Symptom, zu kennzeichnen, und dabei Bericht erstatten, was an Tatsächlichem die judenfrage für das Studium fördert, der Lösung näherbringt. Diese Chronik wird im Gegensatz zum ersten Teil des Archivs, der objektiv und tendenzlos die Artikel bringt, subjektiv sein, weil sie eine Auswahl bringt, sie wird persönlich sein, weil sie die Glossen des Beobachters zur Zeit bringt, gesehen durch sein Temperament; sie soll ehrlich sein, nicht als ob der Chronist in weltenferner Höhe über den Parteien stände, was doch meist eine Farce-oder eine Feigheit ist, sondern weil der Verfasser dieser Chronik danach streben soll, alles: das Judentum, besser die Judenfrage Betreffende in sich zu konzentrieren, aufzufangen, weiterzuführen. Diese Tatsachenchronik, zu der Ansätze in unseren Zeitschriften vorhanden sind, von der ein schlechtes Bild , der Philippsonsche Bericht im Jahrbuch der Literaturvereine geben würde, die dem oder jenem nach seinen Anschauungen, Urteilen und Vorurteilen ungleichmäßig Licht und Schatten verteilen wird, soll mehrere Zwecke gleichmäßig erfüllen. Sie soll — ich stelle . vielleicht Forderungen, die als ideale Forderungen zu bezeichnen sind, aber Ziele, selbst die kühnsten, zu stecken, ruft Wollen und Erfüllung hervor —. sie