Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 7 (23.10.1912)
- Date
- 1912-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537600-3537607--2551-3540646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Jüdische Student 239 Kreis bei anständiger Agitation sich viel weiter ziehen lassen müßte auf alle diejenigen, denen an einer ernsthaften Behandlung der Judenfrage gelegen ist und die finden, daß in unseren Zeitschriften des Tages keine Möglichkeit gegeben und es doch notwendig ist, fern von der Sensation in der gleichmäßigen Weiterarbeit das Thema zu verhandeln. HL Aufbau: Ich gebe schematisierend die Rubriken, ohne daß die Ueberschriften einen anderen als momentanen Wert haben oder bindend sind. a) Die Abhandlungen: In jeder Nummer einige (zweli bis vier) Abhandlungen oder Artikel, Essays oder wie sie sich etikettieren werden, welche auf wissenschaftlicher Basis nach den Methoden, wie sie in strenger Betrachtung gang und gäbe sind, dem Problem der Judenfrage, ihrem Dasein, ihren Existenzbedingungen, Voraussetzungen, Lösungsmöglichkeiten, nahezukommen suchen; sie sollen entweder orientieren über Vorhandenes oder Methodisches lehren oder anregen zu Künftigem oder Lösungen zeigen für Einzelteile oder die Oesamtauffassung oder auf Gesetzmäßiges hinweisen oder Aktuelles ins Bleibende, Skizziertes ins Systematische erheben, oder eine von den vielen Fragen zusammenhängend behandeln, welche sich in der Tausendfältigkeit der umgebenden Erscheinungen an den Begriff, der Judenfrage knüpfen, stellen und beantworten lassen. Vorbedingung ist die Sachlichkeit, die hindurchgegangen ist durch den Sturm und das Pathos des Temperaments und der Persönlichkeit, Vorbedingung ist weiter die innere Anteilnahme an der Judenfrage, auch wenn der Betrachter zur Ablehnung ihrer Existenz kommt. Diejenigen von uns, die vom anderen Standpunkt aus an die Sache herantreten, als Zionisten etwa, werden ja staik genug sich dünken und sein, und die Theorie und Idee des Zionismus wird ja nicht so brüchig sein, daß sie nicht einen kräftigen Ansturm vertragen könnte, aus dem sie Neues in ihre Ideenwelt aufnehmen oder der mindestens abseits von den ausgetretenen Geleisen neue Wünsche und neues Denken hervorrufen wird. Als ich mit einzelnen meiner Kreise über diesen Gegenstand sprach, hielt man rtiir nach der ersten Frage, die auf Unkenntnis beruhte, ob es denn nicht ein solches Organ gebe, die zweite entgegen, die mindestens von ebensoviel Unkenntnis zeugte: ob es denn Stoff genug gebe.- Ich will mit einer ganz dürftigen Auswahl von Themen antworten, die mir jetzt nach Art und Begrenzung meiner persönlichen Arbeit ziemlich fern liegen, und bin überzeugt, daß jeder innerlich Engagierte aus seiner Art zu denken, neue ausschütten wird. Aus dem Kulturproblem: 1. Wesen, Notwendigkeit, Ausdrucksformen jüdischen Stils, nach welchen Tätigkeiten dokumentiert er sich, wo bildet er sich, wohin weist er, wo