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Der jüdische Student · 1912-10-23 · Heft 7 (23.10.1912) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 7 (23.10.1912)
Date
1912-10-23
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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235 Der Jüdische Student von den M i t a r b e i t e r n zunächst zu sprechen, so denke ich mir den Mitarbeiterkreis möglichst weitgespannt: alle diejenigen aus den drei großen Gemeinschaften, die mit der Judenfrage etwas zu tun haben oder haben werden: Juden, Christen, Mohammedaner, um diese primitive und .konventionelle Dreiteilung zu geben, sollen hier zu Worte kommen, sofern sie zum Studium der Judenfrage etwas zu sagen haben. Ob sie aber etwa.5 zu sagen haben, und ob das geeignet ist, im Rahmen des Archivs zu erscheinen, das entscheidet der Herausgeber, der technisch geschickt genug sein, muß, um in einer Nummer verschiedene Ansichten zu Worte kommen zu lassen. Kein Grund zur Ablehnung ist die Tendenz eines Artikels, ein Grund dagegen die Vooringung von nur Persönlichem, nur Historischem, nur Polemischem und Allem, was an üble, aber scheinbar mitunter notwendige Sitten unserer Tagesschriftstellerei eri-nnert. Soviel im allgemeinen über die Mitarbeiter; von wem man Mitarbeit glauben, hoffen, sicher erwarten kann, nach Namen und Persönlichkeiten geordnet, braucht hier noch nicht erörtert zu werden; ich glaube versichern zu können, daö ein Mangel nicht zu konstatieren sein wird, eher ein „embarras de richesse", ein Ueberfluß an überflüssigen Artikeln, die abzuleiten in die richtigen Meinungskanäle und Zeitungen eine notwendige, aber nicht schwer^ Aufgabe sein wird. Wer aber glaubt, daß es schwer sein wird, prominente Zeitgenossen zur Mitarbeit zu bekommen, unterschätzt die ewige Aktualität der Judentrage und die Menge der persönlichen Beziehungen, die man hat, erlangen und zur Erweiterung des Mitarbeiterkreises verwerten kann. Als Publikum verstehe ich drei Kreise. Erstens die Abonnenten, zweitens die Leser (was sich nicht zu decken braucht), drittens die weitere Oeffentlichkeit, die nicht mit dem ganzen Hefte sich vertraut macht, sondern in der Presse davon zu hören bekommt, in der Form des Exzerpts, im wörtlichen Abdruck, in der Entstellung, in* der Polemik und Verleumdung oder Zustimmung. Dieser dritte Kreis ist der weiteste. Er muß immer wieder herangezogen und bestürmt werden. Er stellt die Masse dar, auf die man wirken muß, die zäh ist, die aufgerührt werden muß, von der man möglichst viel Elemente ab- und loslösen muß, um sie zu isolieren oder in den ersten und zweiten Kreis hineinzuziehen. Endziel ist: sie dauernd zu . interessieren, nicht bloß für das eine Mal zu aufgestörten und erschreckten Mitarbeitern und Nachempfindern am Problem der Judenfrage zu machen; sie repräsentieren den Kreis der Gleichgütigen und bilden die kompakte Masse der Uninteressierten oder sympathisch Gegenüberstehenden. Wer aber Psychologie der öttentlichen Meinung kennt oder wer gar vom begrenzten Gebiet aus an ihrer Umbildung und Beeinflussung mitgearbeitet hat, der weiß, daß ihre Organe bewußt oder unbewußt, mittel-

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