Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 7 (23.10.1912)
- Date
- 1912-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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234 Der Jüdische Student organisch verbundene, an ihm sich erneuernde, das Leben gestaltende Revue eigener, vornehmster Art 2. Studium; Zeigt die Methode, das geistige Format, den inneren Habitus, das Wie, den Stil der Zeitschrift an: Ernste Arbeit, ernstes Wollen, die den Esprit nicht vollkommen verdrängen und die Langeweile und die nüchterne, unpersönliche Betrachtungsweise nicht ausschließlich an die Stelle setzen sollen, aber in strengen Ansprüchen und herber Wissenschaft fundiert sind; verbunden, mit dem vorurteilslosen Bemühen, nicht etwa allen Leuten gerecht zu werden, sondern über Dilettantismus, Feuilleton und Tagesagitation hinaus, denen in ihrem Kreise Wirkungsmöglichkeit und Existenzberechtigung durchaus zuzusprechen ist und die von hier aus gedanklich neue Zuflüsse zur Verwertung bekommen sollen, über alles das hinaus «ine „wissenschaftliche" Arbeit zu leisten, die Judenfrage nicht zu betasten oder ängstlich zu befühlen, sondern sie mit der Energie, den Zweifeln, dem Suchen des selbstergriffenen Menschen zu fassen, zu erfassen, bis man sie bewältigt hat. Inhalt, Stoff, Verteilung und Arbeitsteilung für dies Studium, wie ich es sehe, gebe ich überall da, wo ich über Auf- und Ausbau des Archivs spreche. 3. J u d e nS r a g e: Ihr Vorhandensein und die Notwendigkeit ihrer Lösung in unserem Kreise zu diskutieren, wäre Unsinn, aber unser Wissen darum und unser Bewußtsein davon in weite, in alle Kreise zu tragen nach Temperament und Anlage und Willen ist eine Aufgabe, die das Archiv von seinem Teile aus leisten möchte. Die Kreise sind verschiedene, und sie alle erschöpfend zu beschreiben nach den Methoden, die uns in Forschung und Experiment z. B. die sich immer mehr verfeinernde Sozialpsychologie lehrt und nicht bloß feuilletonhaft, wäre ein wichtiger Beitrag zur Erkenntnis unserer „Judentümler"; hier gilt es nur einiges Bekannte in das Gedächtnis zurückzurufen, worin sich fast alle Kreise einen: sie bestehen aus Menschen, denen die Frage der Juden nach sich, dem eigenen Wert, der Zukunft, der eigenen Existenz mit und ohne Berechtigung, und die Frage der anderen nach den Juden, und der ganze unendliche Komplex der daran hängenden Erscheinungen unfaßbar, unwesentlich, uninteressant ist; weil er sie nichts angeht, die Frage ihnen nicht oder noch nicht oder nicht eindringlich, nicht dauernd, nicht in eigentümlicher Fragegestaltung gestellt ist, nicht so gestellt ist, daß an irgend einen Punkt ihres yWesens gerührt, eine Saite in Mitschwingen versetzt wird : diesen Kreisen das Vorhandensein der Judenfrage einzuhämmern oder einzuflößen, einzuschmeicheln, bis es zum tragenden Teile ihres Wesens wird, bis eine neue Form und Gestaltung ihres Lebens sich dazugesellt, bis anstelle der gelegentlichen Gefühlsaufwallung (die eine momentane. Stellungnahme zur Judenfrage