Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 7 (23.10.1912)
- Date
- 1912-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 231 Nun einige Einzelheiten. G o i t e i n - Mannheim fragt an, ob Frauen die Fahrt mitmachen können. Zwei gleiche Anfragen sind von Turnerinnen gestellt worden. In der Art, wie unsere Tour gedacht ist, läßt sich für Frauen eine Beteiligung nicht ermöglichen. Einmal reisen wir in ein orientalisches Land, das für platonische Geschlechtermischung und die Koedukation von Wanderfahrten nicht die rechte Distanz hat. Dann müssen wir — besonders in Samaria und Galiläa — mit Zeltübernachtungen rechnen, bei denen (so verlockend an sich die Aussicht ist) die Rücksicht auf Frauen unbequem, sogar lästig ist. Wir dürfen hoffen, daß die Vorbereitungen für unsere Fahrt, die in den Kolonien getroffen werden müssen, allmählich zu dauernden Einrichtungen von Studentenherbergen führen können, wie sie Schwarzwald, Riesengebirge und Vogesen besitzen. Dann können auch weibliche Wandervögelein eine Zuflucht finden. Vorläufig aber genügt es, wenn wir unserer eigenen Schwierigkeiten Herr werden. — Die Rechnung, die ich aufgemacht habe, hat vom Palästinaamt insofern eine Korrektur erfahren, als für einen vierwöchentlichen Aufenthalt im Lande statt 90 M. doch 120 M. auf den Mann entfallen. Die Summe setzt voraus, daß wir die Gastfreundschaft nicht einmal anzurufen haben. Ich dachte freilich auch nicht daran, daß wir sie etwa strapazieren müßten; glaube aber (nach wie vor), daß wir in den jüdischen Kolonien keine Aufwendungen für Nachtlager haben werden. Diese Ansicht wird von Chananja F e i n s t e i n , Hammerstein und Dr. ß r ü n n geteilt, und sie trifft nach meiner Ueberzeugung auch das, Richtige.. Mit 180 M. ist Hin- und Rückfahrt bis Jaffa nur zu machen, wenn wir als Ausgangsort München wählen,, und wenn wir durch rechtzeitige Verhandlung mit den Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften Ermäßigungen (bei besserer Behandlung!) durchsetzen. Zum Oesterreich! sehen und N o r d d e u t s c h e n L 1 o y d habe ich wertvolle Beziehungen, und eine in Bremen vorgenommene Sondierung ist auf weiches, nachgiebiges Gewebe gestoßen. Trotzdem betrachte ich es als Pflicht der Organisation, für jeden Fall Rückendeckung zu schaffen. Ich werde einen Kriegsfonds von 2000 M. zusammenbringen (von dem übrigens schon ein Teil vorhanden ist). Für den einzelnen Teilnehmer bleibt aber die Summe von 300 M. als genügender Einsatz bestehen. Selbstverständlich sind darin besondere Ausgaben für Kleidung und sonstige Ausrüstung nicht eingeschlossen. Diese Frage wird später, sobald die Gruppe zusammensteht, durch eigene Instruktionen erledigt werden. Was Erfahrung, Wissenschaft, organisatorische Vorbereitungsarbeit leisten kann, um auch nur die Möglichkeit einer Gefahr von den Teilnehmern fern zu halten, wird gewissenhaft in.euren Dienst gestellt. Von euch fordern wir nun eine Entscheidung, ein fröhliches und mutiges Zurückdrängen aller bänglichen Fragen. Ein entschlossenes schneiles Ja! Wer mit seiner Besorgtheit fertig wird, kann an dem Training im Marschieren und ^— Lesen während des Winters dann nur noch eine Freude finden.