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Der jüdische Student · 1912-10-23 · Heft 7 (23.10.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 7 (23.10.1912)
Date
1912-10-23
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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230 Der Jüdische Student Dann kommen Leute, die bauen aus Examensnöten einen Burgwall um ihre Mutlosigkeit. Herrgott, Examen! Ich habe immer nur gesehen, daß die Studenten, die immer für alles Zeit hatten, mit Pauktagen mehr erreichten, als die stets nur mit ihrem „Studium" beschäftigten in Paukwochen. Die besten B.J. C.-er haben immer die besten Prüfungen bestanden. Sie brachten eine fröhliche Melodie in ihr Leben und in ihr Werk. Die „Pauker" kriegten nur einen dumpfen Ton heraus! — Nun winkt euch eine fröhliche Wanderfahrt, die Lüste schafft durch die Ueberwindung echter Schwierigkeiten; die fürs Leben erzieht, weil sie eine selbstbestimmte Enge vollstopfen will mit Erregungen und Erlebnissen» Dicht aneinandergedrängt werden wir Bande der Freundschaft und Liebe finden. Und es wird lustig sein, wenn wir im Schiffsraum zu wenig und im Zeltlager zu viel Umgebung haben____ Acht B. J. C.-er haben sich bei mir gemeldet. Ich bin zwar berufsmäßiger Fantast. Aber auch" solche Freunde, die es gottseidank nicht nötig haben, Fantasten zu sein, haben die Zahl der Teilnehmer auf zwanzig geschätzt. So viele müssens" ihrer sein, sonst läßt sich die Fahrt nicht unter den geplanten Bedingungen durchführen. Auch ohne Athlet der Hoffnung zu sein, erwarte ich doch, daß drei Tage, nachdem diese Zeilen euch erreicht haben, sich zwanzig den inneren Ruck für diese Rucksackfahrt gegeben haben. Langerwarten können wir nicht! Ehe die Gruppe nicht beieinander ist, können die Vorarbeiten nicht begonnen werden. Ihrer sind viele und der Fragen sind noch mehr. Unna hat in einem Anfall starker Begeisterung (mit guten und vollen Worten) unsern Plan in die Oeffentlichkeit getragen. Er hat damit eigentlich meinen Weg durchkreuzt. Ich dachte mir den Appell an die Turnerschaft und an den K. Z.V. eigentlich als einen verzweifelt mutvollen Klageschrei, wenn der B. J. C. versagte. Ich dachte nur verärgert daran. Denn die Möglichkeit, diejpruppe zu formieren, schien mir gegeben, auch wenn die Bereitwilligkeit für unsere Fahrt spontan nur von wenigen erklärt würde. In Königsberg wurde mir zugesagt, daß von dorther ein Abgesandter auf Kosten der Korporation teilnehmen würde. Folgten nun alle V. J. St.-ern diesem trefflichen Beispiel, so war die Anteilnahme von zehn Bundesbrüdern gesichert. Ich bin noch immer der Meinung, daß ein genereller Beschluß* in dieser Richtung nicht gefaßt zu werden braucht Aber in die Debatte ist diese Anregung zu steilen! So oder so: bis zum 1. November muß Krarheit geschaffen sein. Um die Mitarbeit der Turnerschaft (die wahrscheinlich nur ganz virtuell sein wird) und die Werbung unter den K. Z. V.-ern komme ich nun nicht mehr herum. Mein Ursprungricher Plan, nur unsern B. J. C mit dem Ruhnre dieser ersten Wallfahrt der Jungen Judenheit zu schmücken, erhält dadurch eine gewisse Abbiegung. Aber über meinem KorporaHons-Chauvinismus muß doch das Gelingen des Werkes stehen.

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