Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 7 (23.10.1912)
- Date
- 1912-10-23
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Der Jüdische Student Monatsschrift des Bundes Jüdischer Corporationen 9. Jahrg. Berlin, 23. Oktober 1912 No. 7 Unsere Palästinafahrt Von Dr. Theodor ZI o eist i (B.A.H.), Berlin*) - Nun wird's Zeit! Vier Monate trennen uns nur noch von jener festlichen Stunde, die uns die Erfüllung einer starken Sehnsucht bringen soll : Palästina einst erdhaft so fern von uns, daß nur Wünsche dorthin zielen konnten, Palästina einst so transzendentalisiert, daß sich die Gebete der Frommen dahin richteten, ist uns irdisch nahe gerückt; denn die Welt ist klein geworden durch die Technik; ist in den Mittelpunkt unserer Weltanschauung gerückt, und wir müssen dieses Zentrum in uns stark machen und sichern. In dem Parallelismus von Geistigem und Körperlichem ist die sinnliche Anschauung berufen, die Zerflatterung des Ideals ins Unwirkliche und Wesenlose zu verhüten. Wir wollen sehen; und dann soll vor unserem geistigen Auge die neue Weit erstehen. Wir wollen wandern im Sinne jenes Philosophen, der lehrte, daß inneres Besitztum nur ergangen* werden kann. * Nun wird's Zeit, daß wir mit unseren Plänen ins Reine kommen, daß wir selbst rein werden und frei von kleinen Aengstlichkeiten und Besorgnissen. Der Haß gegen „sympathisches Gegenüberstehen" ist der erste ethische Grundsatz unseres B. J. C.-ertums. Peitschen wir diesen Haß auf gegen uns selbst, wenn wir mit der Möglichkeit, Palästina zu dem stärksten Erlebnis der Jünglingsseele zu machen, nur sympathisieren wollten. Gewiß, es türmen sich Schwierigkeiten auf dem Wege. Mancher wird sie nicht überwinden können und manche Not wird nicht zu überwinden sein. Aber befreien wir unsern Willen, dann werden die Schwierigkeiten der Angst zusammensinken wie ein abgebrannter Heuhaufen. Und über Asche stolpert nur ein Feigling. . Wenn die Zeiten sich wenden und ein Geschlecht heranwächst über verdorrte und leere Ideale der Vorderen heraus, dann müssen die Kinder ihre Eltern erziehen. Ein heroischer Sohneswille kann nur für einen Augenblick den Vater, entsetzen. Bald wird er ihn stolz machen. Und er wird die Mittel finden, das Unmögliche möglich zu machen. " Gewiß: es -werden Opfer an Geld verlangt. Aber sind diese Opfer nicht die kleinsten? Für wieviel sinnlosere Zwecke haben wir nicht Anleihen gemacht, haben wir nicht Listen ersonnen, um die Geldbeutel unserer Eltern, Verwandten und Freunde vor dem Embonpoint zu bewahren? Man muß nur die Trägheit, die. Gedanken und die Gedankenlosigkeit des Alltags, die Scheu vor einem* großen Entschluß opfern. Und man wird frei zur Tat. *) Adresse: N. 37, Metzexstr. 34.