Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 6 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Der Jüdische Student Dächern) sendet man rosige Kunde in die Welt, und existierten nicht hier und dort einige sogenannte Mießmacher, welchen es so blutig ernst um unsere Sache ist, daß viele sie und ihre Ungemütlichkeit gar nicht verstehen, und schrieben diese Mießmacher nicht ihre Briefe — dann wüßte man gar nichts, rein gar nichts, was e i g e n 11 i c h im Kartell los ist. Wir Bundesbrüder sollten uns doch schämen, uns einander etwas vorzumachen. Aus bloßer Angst, daß die K. C.-er unsere Blätter lesen, wird doch sicherlich nicht vergoldet! Aber die Füxe! Ja, da ließe sich darüber reden, ob wir nicht Beilagen für Burschen mitgeben Ich stelle das zur Debatte. Jedenfalls eins: mehr Wa h r h e i t müssen unsere Vereinsberichte enthalten! Sonst sind sie gar nichts wert. Damit sie objektiver werden, ist meine zweite Forderung, daß sie nicht von einem der Chargierten, sondern von einem anderen, im vollen Vereinsleben stehenden (und deshalb möglichst aktiven) Burschen abgefaßt werden. Und dann: wie farblos sind die knappen Zeilen gar so oft, welche meist nur Aufzählungen enthalten; sie mögen ruhig etwas mehr persönlich und schildernd sein als bi sher; Bundesbrüdern, die früher am Ort waren/wird dieses besonders lieb sein, und die andern können sich doch eine ungefähre Vorstellung von dem Geist machen, der hier und da herrscht. Die konsolidierten Vereine, die eine eigene Atmosphäre haben, sollten den Anfang machen. Ich schlage also vor:, die einzelnen Kartellvereine wählen im kommenden Semester möglichst sorgfältig hierzu geeignete J. St- Berichterstatter, welche im oben angedeuteten Sinne ihre Pflicht erledigen. Nun zu einem zweiten Uebel. Ich glaube, es herrscht über «den literarischen Inhalt ""der J. St.-en beim Empfang fast einer jeden. Nummer eine kleine Enttäuschung. Bei mir ist das wenigstens so. Es mag sein, daß ich bei meiner Jugend noch zuviel verlange. Ich sähe gerne öfter irgend einen Uterarischen oder wissenschaftlichen Aufsatz aus V. J. St.-er Hand im J. St., und, wie mir scheint, nicht nur ich allein. Ich weiß wohl, daß eine Einschränkung nach dieser Richtung hin zum Teil an unserer Tendenz liegt. Aber es fragt sich doch, ob wir nicht ein wenig zu einseitig sind. Wir sollten doch unsere A. H, auch h. c., besonders die Wissenschaftler, aber auch die andern, ermuntern, uns eigene Artikel zu liefern, anstatt alte Dinge nachzudrucken,