Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 6 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537600-3537606--2518-3540612- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
210 Der Jüdische Student Ich bin aber überzeugt, daß viele Bundesbrüder in unserem Bunde mehr sehen oder sehen möchten als einen akademischen Verein. Wir sollen im Kampfe um die Regeneration des jüdischen Volkes die Kerntruppe darstellen, d. h. also einen engen Bund aller derjenigen Akademiker bilden, die mit Energie und Begeisterung für diese Idee eintreten, eine fanatische Sekte, wie Zlocisti einmal gesagt hat. Sicherlich sind, wenn wir dieses Ziel wollen, die Einlaßöffnungen zu eng, durch die unser Nachwuchs strömt. Wer von uns könnte nicht ohne weiteres eine große Anzahl von jüdischen Akademikern nennen, die ihrem ganzen Wesen nach sehr gut zu uns passen, und auch gern zu uns kämen, wenn wir ihnen den Zutritt zu uns in irgend einer Form ermöglichen würden. Es fragt sich nun, wie können wir unsere Organisation ausbauen, ohne ihre Konstruktion in wesentlichen Teilen zu verändern? Die Frage scheint schwierig, hat doch aber eine sehr einfache Lösung. Wir geben unseren Altherrenverbänden das Recht, Neuaufnahmen vorzunehmen. Dieses Recht gibt ihnen das Ansehen und das Rückgrat, das ihnen heute noch fehlt. Prinzipiell dürfte gegen diese Neuerung wohl kaum etwas einzuwenden sein, da ja schließlich eine Anzahl von Alten Herren, die im Leben stehen, mindestens ebensoviel Erfahrung und Verantwortungsgefühl hat wie eine gleiche Anzahl aktiver Bundesbrüder. Gegen Auswüchse kann man sich dadurch schützen, daß man etwa die Anwesenheit von zehn Mann bei Abstimmungen über Neuaufnahmen zur Voraussetzung macht. Natürlich müßten diemeuen Mitglieder eine Karenzzeit ähnlich der Fuxenzeit durchmachen und auch nach dieser Zeit eine Art Burschenexamen vor einer Kommission von Alten Herren machen, die, um eine Einheitlichkeit herbeizuführen, vom Präsidium ernannt bezw. bestätigt werden könnte. Die Vorteile dieser Institution liegen klar auf der Hand. Wir bereichern den B.J.C auf eine zwänglose Art um eine Anzahl vorr wertvollen Menschen, ohne die Institution der Alten Herren h. c. abzunützen, die immer für ganz besondere Fälle reserviert bleiben sollte und insbesondere auf jüngere Leute kaum anwendbar ist. Ich stelle dieseAnregung zurDiskussion und hoffe, daß sie sich bis zum nächsten Kartelltage zu einem Antrage verdichten wird.