Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 6 (20.9.1912)
- Date
- 1912-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 209 schaft, und befreit seinen Willen. Es ist klar, das alles sind im wesentlichen sittliche Kräfte; sie verleihen dem Individuum die Kraft der Selbstbehauptung. Denn allein von der innern Erziehung des Individuums ist hier gesprochen worden. Oerade dadurch, daß der Zionismus eine Gemeinschaftsidee ist, wird seine erzieherische Aufgabe an und in dem einzelnen geleistet. Der östliche Jude kann aus Tradition, aus Gefühl, aus. Stammesgewohnheit Zionist sein; wir wollen die Einheit, die, sein Zionismus dadurch vor dem unsern voraus, hat, nicht geringschätzen. Zionist oder nicht, das ist für den deutscher) Juden wohl auch eine Frage des Verstandes, auch eine Frage des Gefühls; aber es gibt viele, deren Einsicht und Gefühl uns zustimmen, und die doch nicht zu uns kommen können; letzten Endes ist es eine Frage des Willens und des Mutes, — sonst nichts. Eine Lücke in unserer Organisation Von JosephLoewy (Ch. A.H.) Ich möchte heute mit wenigen Zeilen auf eine Frage eingehen, die merkwürdiger Weise bisher in B.J.C.-er Kreisen so gut wie gar nicht diskutiert worden ist, die aber meiner Meinung nach ein wichtiges Lebensinteresse unserer Organisation berührt: Wie regeln wir das Verhältnis derjenigen Akademiker zu unserem Bunde, die erst nach beendetem Studium den Anschluß an unsere Bewegung gefunden haben? Wer im B.J.C. nur eine Clique von Leuten sieht, die durch eine gewisse Vereinigung von Zufälligkeiten den Zusammenschluß auf der Universität gefunden haben, oder wer da glaubt, daß nur der unsere Tendenzen mit Kraft und Würde ,vertreten kann, der durch die Fuxenstunden und Burschenkonvente eines Kartell Vereins, gegangen ist, für den existiert diese Frage nicht. Ich will den Wert dieser Institutionen keineswegs verkleinern, wie aber die Dinge heute liegen, ist jeder, der auf der Hochschule aus irgend einem Grunde den Anschluß verpaßt hat, für alle Ewigkeiten aus unserem Bunde ausgeschlossen, wenn ihm nicht das seltene Glück blüht, zum Alten Herrn honoris causa ernannt zu werden. Ich weiß, daß viele Bundesbrüder diesen Mißstand zwar erkannt haben, ihnaber für eine notwendige Konsequenz und ein Charakteristikum der akademischen Korporation halten.