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Der jüdische Student · 1912-09-20 · Heft 6 (20.9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 6 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Jüdische Student 197 wir vielleicht doch einmal eine wirkliche Wissenschaft vom Judentum erzeugen, deren hoffnungsvolle Anfänge so schnell erstickt sind, — und verzichten dafür gern auf die Philosophie aus hohler Hand, die uns heute statt dessen so überreichlich geboten wird. Wie sehr Deutschland unser eigenstes schaffendes Dasein befruchtet, dafür haben wir ja denlebendigsten Beweis: der politische Zionismus ist ein Geschenk Europas an das Judentum. ' Aber er war andrerseits nur möglich, weil der Wille zu eigenem Dasein in uns reif geworden war. Wie unser Judentum also am Deutschtum wächst, so wird unser deutsches Schaffen von jüdischen Instinkten getragen werden, es wird nach inhalt und Gestalt deutsch, deF Form nach (im Kantischen Sinne) jüdisch sein müssen. Wenn Moritz G o 1 d s t e i n uns in seinem Kunstwart-Aufsatz rät, vor allem literarisch den neuen Typus Jude zu schaffen, so gehört das zum Teil hierher; aber er überschätzt doch wohl den Wert literarischer Typen. Wohl aber war in diesem Sinne der Kampf zu begrüßen, den Emil C oh n um einen national orientierten Religionsunterricht kämpfte. Gerade weil es sich hier um einen öffentlichen, an einer deutschen Schule erteilten Unterricht handelte, . mußte es offen und unverschleiert ausgesprochen werden: Die Aufgabe ist, und im Religionsunterrichte zumal, in den jüdischen Jungen aufrechte Menschen zu erziehen. Das ist nicht bloß ein Ziel der Juden, auch der deutschen Schule muß daran gelegen sein. Dazu gehört aber die Wahrhaftigkeit* zu sagen, was Ist: auch für uns haben Kant und Fichte nicht umsonst gelebt. Es ist aber so, daß Blut und Geschichte uns viel weniger an die vor Jährtausenden ausgesprochenen, seitdem europäische Selbstverständlichkeiten gewordenen,, religiösen Ideen bindet, als an die Glieder unseres Stammes, deren Leben wir weiter leben. Weiter leben hoffentlich, indem wir es bereichern und vertiefen; nimmer, indem wir es totschweigen. Die jüdischen Instinkte gilt es zu vertiefen. Darum lernen wir hebräisch und jüdisch, weil wir die junge hebräische und jüdische Literatur, und sei sie.zehnmal ärmer als die deutsche, als jüdisches Gewächs empfinden. Darum suchen wir — ganz abgesehen von der praktischen Arbeit — innere Beziehungen zu dem Palästina der Gegenwart, begrüßen Trietschs Bilder aus Palästina als Buch für unsere Jugend, wünschen, daß die Zionisten, auch wenn sie nicht hinausziehen, das Land besuchen; denn aus der persönlichen Verknüpfung mit Palästina erwarten wir ein Wachsen der jüdischen Stimmung. Darum*' soll sich unsere Jugend wandernd, turnend, diskutierend ihres Zusammenhangs bewußt werden: Der Wille zur Gemeinschaft wird Persönlichkeit erwecken. Damit verschieben wir den Schwerpunkt unserer bisherigen Tätigkeit im deutschen Leben? Aber nein,

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