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Der jüdische Student · 1912-09-20 · Heft 6 (20.9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 6 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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196 Der Jüdische Student zurück auf die Welt, die das Judentum aus sich erzeugt hat Einen Weg gibt es, diese Lehre zu befolgen: es ist der Weg des Pioniers in Palästina, trotz allem, was uns Herz und Sinn an Deutschland bindet. Solange aber nur ein Bruchteil der Zionisten den Mut und die Energie zu einem solchen Schritte hat, solange nur ein so winziger Bruchteil der deutschen Juden sich überhaupt zum jüdischen Oedanken bekennt, solange ist unsere Aufgabe nicht so beneidenswert einfach, aus äußeren Gründen, vor allem aber aus inneren. Es dürfte nicht überflüssig sein, das an ein paar Beispielen zu erläutern, da diese Frage, wie es scheint, im Hintergrunde vieler aktueller Probleme steht, die uns heute beherrschen. Die flüchtigste Beobachtung lehrt, daß die großen Dichter und Künstler am Anfang ihrer Laufbahn einem Meister oder einer Schule sich nachahmend hingegeben haben, und erst an Produktionen, die im wesentlichen fremde Art verrieten, die Kraft ihrer eigenen Persönlichkeit entwickelt haben. Hier zeigt es sich, daß kein Individuum a m allgemeinen Menschentum emporstreben kann, so wenig es aus allgemeinem Menschentum erwachsen ist Das gilt auch für uns. Es wäre wahrhaftig für den Zionismus ein unvergleichlicher Gewinn, wenn etwa die Luft Palästinas das Heimatsgefühl unserer Kinder wecken und zur Reife bringen könnte. Da das nicht der Fall ist, sollen wir, können wir wünschen, daß ein blasses, romantisches Palästinabild in unserer Jugend anstelle jenes Heimatsgefühls trete? Ich will das Bild nicht ausschalten, im Gegenteil, das wird sich noch zeigen aber seine Aufgabe ist eine andere. Allein die Enge heimatlicher Berührung, das Verwachsensein -mit Feld und Wald und Wiese pflegt die tiefsten Werte reinen Menschentums zu erzeugen. Darum sollen unsere Jungen hinauswandern in die deutsche Natur, die sie trägt, sollen der Schönheit ihrer Heimat sich bewußt werden, um aus ihr die Kraft und die Sicherheit zu schöpfen, deren sie bedürfen. Gewiß macht jeder Schritt auf diesem Wege unsere Welt nur noch komplizierter, nur noch reicher an Widersprüchen, — aber wir können nicht anders. Wir können unserer Jugend heute nicht raten, etwa ihre wissenschaftlichen Gesichtspunkte nur der ach so kümmerlichen jüdischen sogenannten Wissenschaft zu entnehmen, ihre künstlerischen Kräfte, grundsätzlich nur an jüdischen Meistern zu entwickeln. Die Fülle, die so auf uns eindringt, und die uns, solange wir in uns unsicher waren, so tiefen Schaden zugefügt hat, wird uns nun, in der Zeit unserer Selbstbesinnung, nicht mehr verwirren können. Wir werden einerseits, auch wenn wir rein jüdische Fragen behandeln, beeinflußt sein von der hundertjährigen Teilnahme am deutschen Leben. So werden

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