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Der jüdische Student · 1912-09-20 · Heft 6 (20.9.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 6 (20.9.1912)
Date
1912-09-20
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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192 Der Jüdische Student des Menschen spricht dieser Jude nicht nur deshalb mit Verehrung, weil er Gründe für seinen Befreiungskampf braucht; er ist, wie nur ein Mensch des achtzehnten Jahrhunderts, von dem Bewußtsein durchdrungen, daß die Humanität, der reine Gedanke des Menschentums, über alle nationalen Bindungen siegen müsse. In diesem Gefühle bestärkt ihn seine Freude an allem Gedanklichen; denn der Gedanke erhebt den Anspruch allgemeiner Geltung und ist von allen menschlichen Werten am wenigsten national gefärbt. Die Lust des reinen Geistes machte den Juden zum Intellektuellen. Man hat versucht, diesen Intellektualismus damit zu begründen, daß die Juden länger als die europäischen Völker, wesentlich länger besonders als die Deutschen, im Zivilisationsprozeß stehen. Schon vor vierzig Jahren sprach Karl Hillebrand von der inneren Verwandtschaft zwischen Juden und Franzosen, und noch vor kurzem hat Alfred Weber die intellektuellen Werte des Judentums (im Gegensatz zu den durch' die Religion bedingten emotionellen) fast ausschließlich auf die eine Ursache zurückgeführt: „Der Jude ist rational, nicht weil er Jude ist, sondern weil er alt ist" Es ist gewiß, daß eine Reihe von Einzelerscheinungen so erklärt werden könnten. Die Geleise des jüdischen Gehirns sind gleichsam schon eingefahren, und so besitz^ er den fragwürdigen Vorzug einer schnellen Gelehrigkeit. Reich an Assoziationen, entwickelt er eine überraschende Kombinationsgabe, die ihn nicht zum wenigsten zu einem geschätzten Rechtsanwalt und einem leidlichen Mathematiker gemacht hat. In Schachbüchern findet man zuweilen ein naives Staunen, daß die Vorherrschaft in dieser Kunst so auffallend zwischen „deutschen", „russischen", „amerikanischen" und anderen Meistern wechselt. Die Lösung ist einfach, es sind meistens Juden, deren kombinatorische Begabung auf diesem Felde ihre Lorbeeren erntet. Selbst der berühmte jüdische Witz ist reiner Kombinationswitz, bar alles gestaltenden Humors. Jüdische Journalistik — meist nichts anderes als Beweglichkeit des Geistes, die mit Worten und Begriffen Fangball spielt. Das Hinundher der Vorstellungen erzeugt eine innere Wandlungsfähigkeit, die fast allen Juden etwas Schauspielerhaftes leiht, und den großen Prozentsatz jüdischer Berufsschauspieler hervorbringt. Gewiß, all das ist in beschränktem Maße für die älteren Nationen im Gegensatz zu den jüngeren überhaupt bezeichnend. Aber in ihnen allen wurde der Rationalismus niemals so mächtig, daß er den gestaltenden Menschen zerbrach. Das Alter der Zivilisation mag den Reichtum der Assoziationen, die Schnelligkeit im Spiel der Motive erklären; — es läßt sie aber gleichsam neutral, freischwingend, ihre Richtung erhalten sie doch erst von tieferen Kräften des Volkstums. Auch der Jude des neunzehnten Jahrhunderts erhielt seine Richtung, er

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