Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1912)
- Date
- 1912-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Der Jüdische Student Setzung eines Mensurtermins wurde vom Fechtwart des V.J. St. in einem falschen Cafe erwartet. Darauf ein schroff gehaltener Brief des V. J. St. an die „Ghibellinia", diese verlangt nach Aufklärung des Irrtums, in energischen Worten eine Interpretation des Brieftons, dieselbe wird verweigert, von Seiten der „Ghibellinia" erfolgt eine Sechserforderung, die das E. G. genehmigt. Die Partien sollten am 2. 12. steigen. Wenige Tage vor diesem Termin erfuhr das Präsidium des B. J. C. auf indirektem Wege von den Ereignissen und beschloß selbst einzugreifen, um die Austragung der Suite zwischen den beiden jüdischen Korporationen zu verhindern. Es wandte sich mit folgendem Brief an die „Ghibellinia": „Berlin, 29. November 1908. An die verehrliche Verbindung im K. C. „Ghibellinia4' Freiburg. Sehr geehrte Herren Kommilitonen! Wir erfahren, daß zwischen Ihnen und unserem Kartellverein, dem V. J. St. Freiburg, ernste Differenzen entstanden sind, welche zu einer Forderung geführt haben. Wir sind der Meinung, daß der rein studentische Austrag der Angelegenheit eine schwere Schädigung der jüdischen Sache mit sich bringen würde, und auch in Kreisen, die dem K. C. und B. J. C. durchaus sympathisch gegenüberstehen^ lebhaftes Befremden, wenn nicht Entrüstung hervorrufen würde. Wir sind der festen Zuversicht, daß auch Sie im Prinzip unsern Standpunkt teilen und daß Sie eine friedliche Erledigung, welche alle Teile befriedigt, nicht ungern sehen werden. Wir wissen zwar, daß bei Ihnen sowohl wie bei unserem K. V. die spontane Initiative zu einem solchen Ausgleich dem Widerstand eines gewissen studentisch-korporativen Gefühls begegnen wird. Wir hoffen aber, daß die Bemühungen der beiden mit Vollmacht des Präsidiums nach Freiburg reisenden Herren, des Herrn Referendar Felix Rosenblüth und des Herrn cand. med. Felix Danziger, den wünschenswerten Erfolg haben werden. Wir bemerken ausdrücklich, daß erst jetzt gleichzeitig mit Ihnen unser Kartellverein von diesem Vorgehen des unterzeichneten Bundespräsidiums benachrichtigt wird, welches der Absicht entspringt, der jüdischen Sache einen schweren Schaden zu ersparen. Mit jüdisch-studentischem Gruße Das Präsidium des Bundes jüdischer Korporationen gez. Dr. Rosenkranz, 1. Vorsitzender." Die Besprechung der Präsidiumsdelegierten mit drei Herren vom K. C, der. zwei Mitglieder des V. J. St. Freiburg beiwohnten, ergab den oben gekennzeichneten Sachverhalt. Auf das Einwirken der Präsidiumsdelegierten hin erfolgte eine schriftliche Revokation des V. J. St. Freiburg, worauf die „Ghibellinia" die Erklärung abgab, daß sie mit Rücksicht darauf, daß es sich um zwei jüdische Korporationen handle, auf die Austragung der Suite verzichtete. Die Vertreter des B. J. C. trugen kein Bedenken, die weitgehendste Nachgiebigkeit zu zeigen, da wichtige jüdische Interessen auf dem Spiele standen, insbesondere eine Gefährdung des Ansehens der jüdischen Studentenschaft zu befürchten war. Dieses Verhalten basierte natürlich auf der Voraussetzung, daß der K. C. — was sich nach unserer Meinung für jüdische Korporationen von selbst versteht — in ähnlichen Fällen sich in gleicher Weise vom engherzigen und kurzsichtigen Korporationsstandpunkt freimachen würde, eine Voraussetzung, die sich jedoch schon nach kurzer Zeit als irrig erweisen sollte.