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Der jüdische Student · 1912-08-20 · Heft 5 (20.8.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 5 (20.8.1912)
Date
1912-08-20
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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160 Der Jüdische Student Schlüsse da, wo er eigentlich schon von Anfang an stand; der nächste Morgen fände ihn sicher wieder bereit, um der süßen Gewohnheit des Daseins willen einer neuen Beatrice zu folgen. Und Stefan von Sala? Erst als er untrüglich erfährt, wie nahe sein krankes Herz dem Tode ist, erst da entschließt er sich, „den Dialog zu beenden". Und auch da erinnert er sich noch mit schwermütigem Lachen an die Thermen des Caracalla, an den Park von Lugano und sein hübsches, kleines Haus und man fühlt, wie wenig die Traurigkeit, die ihn aus den Dingen anwehte, das Gefühl seiner unendlichen Einsamkeit, das unfaßbare Entgleiten jeder Gegenwart, — wie wenig dies alles ihm das Sterben erleichtert. Gerade der recht äußerliche Zwang, der ihn dazu treibt, wirkt so ergreifend wahr, weil er als die tiefste Tragik dieser Menschen das Untragische enthüllt: Sie kämpfen nicht mit dem Leben, sondern es ist ein schmerzlich wartendes Geschehenlassen, ein innerer Stillstand, gleichviel, wohin sie geschleudert werden, ein Aufheben alles Handelns, aller Entwicklung zum Bessern wie zum Schlimmen. Dies Untragische, diesen Niedergang des modernen Juden hat Schnitzler bis zu seinen Wurzeln erkannt, wie allein ein Stammesgleicher, vom selben Schicksal Heimgesuchter es vermag. Er findet in seinen besten Werken dafür Worte von erschütternder Einfachheit, von einer Kraft des Verschwebens, die nur einem wahren Dichter geschenkt wird. Man hat sein Schaffen mit dem Vorwurf abgelehnt, er entblöße sein Inneres bis zur Selbstauflösung, seiner psychologischen Werkstatt entstiegen, bei aller Fülle seelischer Nuancen, immer wieder dieselben schwankenden Gestalten. Beides müssen wir zugeben; aber beides erzeugt in uns Juden jenes Gefühl des Zusammenhanges, wie es nur die empfinden, die von solcher Art wirklich getroffen werden. Wir spüren, daß er wie kein Anderer diesen Zug jüdischen Wesens zum Ausdruck bringt und daß sein von niemand zu leugnender dichterischer Reichtum an den Grenzen enden muß, die auch ihm das Geschick seines Stammes gesetzt hat. Aber da Schnitzler ein Dichter ist, da den innersten Antrieb alles Schaffens doch die Liebe zum Lebendigen geben muß, so kann er sich nicht mit dem beruhigten Lächeln der Skepsis darein finden, ,.die Sehnsucht zu wecken und sie, die hoffnungslose, in Verzweiflung zu wenden." Er sieht mit derselben Klarheit, mit der er sein eigenes Wesen erfaßt, daß es noch ein anderes Verhältnis zu den Dingen gibt, und man hat oft den Eindruck, als laste seine Kunst am schwersten auf ihm selbst. Schon Anatol beneidet die Glücklichen, denen jedes Stück Leben ein neuer Sieg ist, und Filippo ruft verzweifelt: „So einer möchf ich sein, der festen Schritts und lächelnd vorwärts schreitet, derselbe aufsteht und zur Ruh sich legt!" Sala geht auch hierin noch weiter: „Es scheint mir überhaupt", sagt er

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