Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 5 (20.8.1912)
- Date
- 1912-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Der Jüdische Student nur von gegenwärtigem Wert ist, sondern auch Zukunftstat, weil sie der Veredlung der Rasse dient, wird ihn ganz besondere Freude am Sport und Stolz auf erzielte Höchstleistungen empfinden lassen, die er als Angehöriger einer jüdischen Gemeinschaft nicht nur für sich, sondern auch für die jüdische Gemeinschaft errungen hat, die er repräsentiert. In sämtlichen Korporationen des B.J.C. ist das Turnen offiziell. Der Wert des Turnens als Leibesübung ist bis heute unbestritten; die verschiedenen Frei- und Geräteübungen und die verschiedenen Systeme sorgen für die Durchbildung des ganzen Körpers. Mehr noch als der Sport ist das Turnen als Gemeinschaftsbetätigung ein Mittel, den vielfach allzu individualistisch angehauchten Gemütern Disziplin einzudrillen. Um den Turnbetrieb völlig fachmännisch zu gestalten, haben die Turnabteilungen der V. J. St.-en sich als solche der Jüdischen Turnerschaft angeschlossen. Sie erhalten durch diese Verbindung mit einer großen Turnorganisation stets neue Anregungen für die Ausgestaltung des Turnbetriebs und werden durch die Lektüre der Jüdischen Turnzeitung, die sie von der Jüdischen Turnerschaft erhalten, über alles Wissenswerte in der jüdischen und allgemeinen Turn- und Sportwelt unterrichtet. Durch die Mitgliedschaft in der Jüdischen Turnerschaft ist den Bundesbrüdern auch die Teilnahme an nichtakademischen sportlichen Veranstaltungen ermöglicht. Von den verschiedenen Arten des Sportes steht natürlich das — offizielle — Fechten in erster Reihe. Seine Bedeutung für uns als Akademiker hebt es weit über die anderen sportlichen Betätigungen hinaus; hier gilt es nicht das Training zum friedlichen Wettbewerb mit anderen, sondern das Training für den Ernst der Mensur. Wir greifen nur zur Waffe, wenn es wirklich gilt, unsere Ehre zu verteidigen — am häufigsten naturgemäß gegen antisemitische Angriffe. Darum pflegen wir ausschließlich das Säbelfechten; die Spielerei der Schlägermensuren zu übernehmen, schien uns für eine jüdische Korporation, die sich ihre eigenen Formen sucht und nicht fremde Sitten sklavisch imitiert, unangemessen. Der Respekt, dessen sich die Waffe des V. J. St.-ers erfreut, zeigt, daß wir recht hatten. — Neben dem Korporationsfechten werden gut veranlagte Bundesbrüder im Sekundieren ausgebildet.