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Der jüdische Student · 1912-08-20 · Heft 5 (20.8.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 5 (20.8.1912)
Date
1912-08-20
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der Jüdische Student 147 Herschwanken zwischen Judentum und umgebender Kultur, die Entwurzelung, schwere moralische Schäden großzüchtete. Zu den Jammergestalten der Juden Ost- und Westeuropas paßten wenig die männlichen Gestalten der alten jüdischen Geschichte, die nunmehr mit dem Interesse an der jüdischen Vergangenheit lebendig wurden: Juda Makabbi und Barkochba waren Helden wie nur je die Söhne eines Volkes. So wurde Nordaus Wort vom „Muskeljudentum" begeistert aufgenommen und begeistert in die Wirklichkeit umgesetzt. Der Bund Jüdischer Corporationen ist ein Glied der jungjüdischen Bewegung; er ist aus ihr entstanden und mit ihr groß geworden. Als studentische Korporation vertrat gerade er von Anfang an energisch die Forderung einer intensiven körperlichen Erziehung der Juden. Für die schroffe Betonung dieser Forderung war aber nicht allein objektive Einsicht maßgebend. Sie ist, für junge, lebensfreudige Studenten, viel zu sehr von des Gedankens Blässe angekränkelt. Subjektive Wertungen und Empfindungen waren deshalb ausschlaggebender. Auch wer als junger Student zu uns kommt, ohne viel über die Judenfrage unserer Zeit nachgedacht zu haben, und noch nicht den Weg zu seinem Volk wiedergefunden hat, der wird turn- und sportfreudig. Denn hat er einmal die Bundesbrüder bei fröhlichen Turnspielen sich tummeln sehen, ist er einmal mit ihnen hinausgefahren auf schlankem Ruderboot, hat er mit ihnen die erste Gebirgstour unternommen, dann wird er von selbst, ganz aus sich heraus, den Wunsch empfinden, es ihnen gleichzutun, Und wenn er erst das stolze Selbstgefühl empfunden hat, das! ihm die sichere Beherrschung seines Körpers gibt, die Lebensfreude, die aus der spielenden Ueberwindung von körperlichen Strapazen quillt, dann wird er auf ewig geheilt sein von der Stubenhockerei. Dann kommt er von der Praxis zur Theorie; dann weiß er, was Kraft und Mut für den Mann bedeutet, und wird das Bestreben haben, seine Freude auch anderen mitzuteilen. Dann sieht er ein, was die Ausübung des Turnens und Sports für die Gesamtheit besagt, und er kommt von selbst dazu, neben dem Selbstzweck die anderen Zwecke zu begreifen, besonders ihren Wert für die Disziplin, den Kern der gesamten Korporationserziehung. Der Gedanke, daß die Kräftigung des Körpers nicht

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