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Der jüdische Student · 1912-08-20 · Heft 5 (20.8.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 5 (20.8.1912)
Date
1912-08-20
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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144 Der Jüdische Student die Gefahr ist riesengroß und wächst fortwährend. Unverständiger Sinn bohrt an unserer Eigenart und sieht nicht, daß ihr Verschwinden eine Verminderung der an Kulturtypen nicht allzu reichen Menschheit um ein altes und charakteristisches Volk und — unseren Tod, unser ruhmloses Ende, bedeuten würde. Aber selbst wenn es gelänge, diesen inneren Feind, die Dummheit und Bosheit, zu bezwingen, bliebe die größte, die wahrhaft atemraubende, herzbedrückende Gefahr noch unbekämpft. Diese unendliche Gefahr besteht in unserer Vereinzelung, Wir leben als Einzelne inmitten von Nichtjuden, Menschen eigner Art und eines nichtjüdischen kulturellen Milieus. Und diese fremde Masse droht uns zu ersticken. Ihre Art umgibt uns ständig, dringt in uns ein, umbrandet unser Wesen. Wir entnehmen der Kultur der Umwelt wesentliche Bestandteile unserer Persönlichkeit. Die übernommenen Inhalte zeigen, soweit sie geistig sind (also nicht die naturwissenschaftlichen; die Serumtherapie hat auch noch niemandes Charakter beeinflußt), die deutliche Struktur ihres Ursprungs. Die Massenhaftigkeit und Ausschließiichkeit dieser Eindrücke mindert schließlich die Kraft, sie jüdisch zu verarbeiten; in jeder Generation ist die Persönlichkeit weniger jüdisch als in der vorhergehenden. Unsere Atomisierung muß auf die Dauer zu einer Schwächung unserer typischen Disposition und am Ende zu unserem Verschwinden führen. Die Einsicht in unsere und des jüdischen Volkes Lage macht uns zur Aufgabe: Beseitigung der Vereinzelung, Zusammenfassung, Organisation. Dies gerade ist der Sinn der Organisation: Zusammenraffung aller Kräfte zur Erreichung des Gewollten. Der Einzelne ist nichts, ein Atom, das wirkungslos in der Umwelt untergeht. Erst in der Zusammenfassung kommt er zur Geltung, findet er sich potenziert wieder; da sind die vielen Einzelnen nicht mehr Material, sondern ein Subjekt von Stärke und Stoßkraft. Es genügt aber nicht irgend eine Organisation, deren wesentliches Prinzip der Jahresbeitrag ist. Unsere ungewöhnliche Lage, in der unser ganzes Wesen bedroht ist, uns aber das Leben gewonnen werden soll, fordert den ganzen Menschen, sein bestes Wollen und Können. Die Gründer des B. J. C, die klar und sicher aus dem Bewußtsein ihrer jüdischen Eigenart handelten, erkannten, daß dieser enge Zusammenschluß

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