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Der jüdische Student · 1912-07-26 · Heft 4 (26.7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 4 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der Jüdische Student 117 Bei Keilkneipen rächt sich Leichtsinn in der Vorbereitung meist schwer. Ich habe Kneipen mitgemacht, bei denen die Gäste durch abgeordnete Bundesbrüder weder empfangen und begrüßt, noch herumgeführt mnä vorgestellt wurden. Man 'konnte die Keilfüxe von Vertretern des lurnvereins etc. nur dadurch unterscheiden, daß sie hilHos zusammenhockten. Auf „omnes ad loca'* brachte sie nier.iind sofort in den Fuxenstall u. ähnl. Solche Vorkomfiaiiuss^e ^eben die so oft in Anspruchgenommene Laune älterer Bundssbri ier wenig. Die Besetzung der Philistertafel ist schwer — aber unnötig. Wenn es nicht gerade gelingt, unsern „Rückhalt an der besten jüdischen Oesellschaft" vorzutäuschen, so!!l man die Zusammenstellungen privater Vorliebe und Eitelkeit lieber weglassen. „Vertreter" scheinen als unentbehrliches Requisit, zu gelten;-wenn man sie ladet, sollte man ihre Auswahl wenigstens nicht den Vereinen überlassen, sondern sich geeigneter Personen versichern. Zum Verlauf des offiziellen Teils: er muß in den meisten Fällen mehr ausgedehnt werden, als den Bundesbrüdern lieb ist. Ich finde es begreiflich, daß ein alter V.J. St-er im Anschluß an die flammendste Tendenzrede Zoten erzählen kann. Aber wer zum ersten Mal unser Gast ist, findet den Uebergang nicht so schnell. Und er soll nicht nur als Zuhörer den lÜbergang finden, sondern warm werden im persönlichen Verkehr mit seinen Nachbarn. Dazu gehört Zeit — colloqmium! — nicht fortwährendes Dreinfahren des Präsiden. Die Kneipe ist kein Theater und kein Konzert. Lieder müssen vorher ausgewählt sein, damit der Präside nicht laute Erwägungen bis zu den Füxen dringen läßt, wie diese: „Es ist taktisch unrichtig, viel jüdische Lieder singen zu lassen/*' Er soll nicht dk: Umsitzeuden fragen, „weiches Lied man wohl jetzt singen tesen könne." Ein richtiger Präside weiß immer, was er zu tun hat, oder erweckt wenigstens den Anschein! Er darf durch seine Anusgeschäfte nicht erdrückt werden und den Zusammenhang mit der Kneiptafel verlieren."— lieber den Charakter derT ende n zrede müssen jüngeren Bundesbrüdern Anhaltspunkte gegeben werden, negative Regeln; alle andern Kleinigkeiten und Aeußerlichkeiten muß der Fuxmajor sorgfältig, einpauken; er darf sich nicht auf grobe Umrisse beschränken. Allmählich tritt die F i d u 1 i t ä t ein. Auf ganz großen Kneipen muß man sie zu einer Art Kabarett ausgestalten; sonst ist jede Improvisation wohlvorbereitetem Humor weit vorzuziehen, und ohne alle literarischen Kunststücke koonmt man aus, wenn man etwas tiefer in die Kanne steigt. Bei einer Art bei uns beliebter Darbietungen in der Fidulität übeiEuft es mich regelmäßig kalt: beim Vortrag von Ghettoliedern, im offiziellen Teil lasse ich sie mir gefallen, besonders wenn man Zlocistis

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